Gedanken

Froschperspektive

Wir wissen, dass der Frosch wahrnimmt, worauf seine Sinne und sein Verstand ausgelegt sind. Darum liebt er Tümpel, wo er sich prächtig vermehren kann. Ähnlich nehmen die Menschen auf höherer Stufe die Welt wahr. Sie erkennen sie nach den inneren Gesetzen von Raum und Zeit und Kategorien wie der Kausalität und weiteren vorgegebenen Ideen. Durch Verstand, Gefühl und Vernunft haben sie sich wissenschaftliche Mittel angeeignet, mit denen sie tiefer in die unsichtbare Welt eindringen, Gene entschlüsseln und fähig werden, auf den Mond zu fliegen. Wenn nun der vorgesehene Präsident der grössten Partei, Marcel Dettling, wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber abgeneigt, sagt: «Es ist mir lieber, wenn es wärmer wird als kälter» und begründet, dann könne er mehr Heu ernten und mehr Kühe halten, wenn er wolle, so darf diese Sicht vom Ybrig als Froschperspektiv bezeichnet werden.

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22 Februar 2024

 

Quelle: NZZ am Sonntag

Der alte Ueli

Er hatte kein staatsmännisches Format, der Ueli Maurer, der nach dem Rücktritt aus dem Bundesrat verkündet, er wolle eine Nische finden, in der er wieder der alte Ueli sein könne. Das war er eigentlich immer auch als Bundesrat. Er hatte nicht begriffen, was die Rolle eines Bundesrats und eines Bundespräsidenten verlangt: Ich sehe ihn vor Putin, Trump und Xi Jinping andächtig hochschauen. Mir ein unlöschbares Bild! Er provozierte im Hemd der Trychler gegen Massnahmen der Pandemie. Da war er also schon immer in seiner Nische, der Ueli. Die beste Armee der Welt! Die CS-Pleite, man hätte sie hinnehmen sollen, sagte er. Zur Ukraine: Man liefere Waffen, dass es Tote gebe. Er, der frühere Verteidigungsminister! Nichts gehört von Tell? Die NZZ leuchtet gerade Uelis Nische aus, die Pascal Couchepin für einen ehemaligen Bundesrat nicht als würdig betrachtet.

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25 Januar 2024

 

Quelle: NZZ am Sonntag

Versöhnung

In meinem Roman «Maria schrieb einen Brief», der, wie der Verlag mitteilt, einer starken Frau gewidmet ist, wollte ich auch einen einfühlsamen Mann schildern, der spürt, dass es ein gegenseitiges Verstehen und eine Entsprechung braucht, damit eine gute und tragende Beziehung entsteht. Die Leserin und der Leser erfahren, wie zwei Charaktere zusammenfinden und sich mit ihrem Leben versöhnen. Im Tages-Anzeiger Artikel «Statt Busse spricht er lieber von Versöhnung» bekennt der Einsiedler Pater Philipp, es gehe (statt um Busse) vielmehr um die Versöhnung mit Gott und damit um sich selbst. Lebensweltlich bedeutet dies: Um Versöhnung mit den Schuldigen und damit mit sich selbst.

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11 Januar 2024

Christkind

Als Kinder glaubten wir an das Christkind, bis wir zweifelten, ob es die Geschenke unter den geschmückten Baum gelegt hatte. Wir gingen in die Mitternachtsmesse. Es herrschte Krieg. Wunderbar war die Botschaft von Hoffnung und Frieden, der verkündet wurde. Es entstand eine zauberhafte Stimmung. Was im Leben blieb, war das Brauchtum, das uns das Gefühl von Sicherheit und Heimatgefühl gab. Der Mythos hatte eine enorme Kraft. Ganz allmählich wurde das Weihnachtgeschehen, trotz Christbaum und Geschenken entzaubert. Und was ist geblieben? Wieder ist Krieg. Die Hoffnung auf Frieden ist geschwunden. Was bleibt, sind die Weihnachtsbeleuchtung an Häusern und in den Strassen, wunderbar und überladen in den Einkaufsstrassen; und jeder glaubt an das, was er denkt.

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14 Dezember 2023

Endlich sagt es einer

Zu Gerhard Pfisters Interview in der NZZ vom 21.11.2023

Der Parteipräsident der Mitte spricht in seinem Interview klar und deutlich, was Sache ist. Ich stimme ihm als liberaler Freisinniger vollständig und in allen Teilen zu. Ich habe noch als Ständerat ein «Blocher-Buch» geschrieben, in dem ich mich ähnlich äusserte und im zweiten Buch «Lust an der Politik» habe ich den Stil der SVP kritisiert. Hat man in der Politik nicht eine besondere Position, auf die die Medien hören müssen, wird Kritik zwar kurz erwähnt, aber sie löst keine Diskussion aus. Es ist Zeit, dass auch mein Freisinn begreift, dass sie nichtder Seitenwagen der SVP ist und einen selbständigen Weg mit eigenem Profil gehen muss. Was die SVP unter bürgerlich versteht, hat mit bürgerlich nichts zu. Da geht es um Macht, und wie man sie mit allen Mitteln, auch mit perfiden erreicht. Wer für die Partei fordert, dass es am rechten Rand der SVP keine andere Partei geben dürfe, weiss, dass in dieser Partei Meinungen vertreten werden dürfen, die gerade dies, was Bürgerlichkeit beinhaltet, ausschliesst. Es wäre an der Zeit, einmal über den Begriff der Bürgerlichkeit zu diskutieren. Blochers Weichsinnige, wie er die Freisinnigen taxierte, mussten von der SVP viel Schmäh verdauen. Das sollten sie nicht vergessen. Das Interview des Präsidenten der Mitte-Partei ist Ausdruck echter Bürgerlichkeit. Sagt es doch, dass die höchst Kunst des Regierens darin besteht, dass es sich um ein Bemühen handeln sollte, das bestrebt ist, das fragile Gleichgewicht im Staat und der Gesellschaft immer wieder herzustellen. Stattdessen wird heftig um der Stimmen willen polemisiert, das heisst, das Land auseinandergetrieben. 

Dauerdialog mit der Bevölkerung

Gerhard Pfister postuliert im Interview einen Dauerdialog mit der Bevölkerung. Nur wer ist die Bevölkerung? Wenn eine Partei sagt, wir vertreten das Volk, welches Volk meint sie dann? Vielmehr sollten die Parteien denen Fragen stellen, die mit Schlagworten operieren. Könnt ihr uns sagen, was ihr tut, dass unser Volk nicht schrumpft? Wie kommt es zu nachhaltigen Geburten im Inland kommt?  Wisst ihr, was nachhaltig hiesse?  Was sagt ihr, wenn immer mehr Menschen in Pension gehen, als geboren werden? Was unternimmt ihr, dass der demographische Notstand behoben wird? Was macht ihr, dass das ehrgeizige Ziel einer prosperierenden Schweiz erhalten bleibt?  Das wären Fragen der Redlichkeit und nicht einfach Wahlkampfgetöse.

Das Volk ist kein Ansprechpartner. Es sind immer die einzelnen Menschen. Die Bevölkerung ist in den letzten Jahren um O,8% gewachsen, aber die Zahl der 65-jährigen nahm um 1,9% zu. Also schrumpft die Bevölkerung.  Nachhaltigkeit wäre ein Begriff, wie ihn die Waldwirtschaft befolgt. Was geerntet wird, muss nachwachsen.  Das hiesse also, die inländischen Geburten müssten mindestens um 1,9% zunehmen. Die in der Schweiz herangewachsenen Arbeitskräfte genügen demnach nicht, um den Wohlstand im Land zu wahren. Was wäre ohne Einwanderung zu tun? Die Arbeitszeit müsste drastisch erhöht werden. Im Wahlkampf wurde darüber geschwiegen. Niemand hatte ein Nullwachstum der Wirtschaft verlangt, was ehrlich gewesen wäre. Das sogenannte Volk wurde im Wahlkampf hintergangen. Es selbst hatte die Folgen nicht bedacht. Vielleicht meint Gerhard Pfister, dass über solche Fragen diskutiert werden müsste, und zwar in einem «Dauerdialog». Da stimme ich ihm zu.

Unterlisten-Wokeness

Ursula Strub fragte sich in ihrem Leserbrief, als die Unterlisten so viele Nationalratskandidatinnen und -kandidaten hervorbrachten, was das eigentlich soll? Am Anfang verstand man diesen Wahltrick nicht so recht und man wunderte sich, wie viele fähige Leute für Bern kandidieren. Es war ja eigentlich immer die nobelste Aufgabe der Parteien, ihre besten Persönlichkeiten dem Volk vorzuschlagen, aber jetzt war es anders. Man ist doch heute woke, was ursprünglich wachsam hiess. Aber durch die vielen Verdrehungen ist diese Wachsamkeit zu einem gemischten Salat geworden, über den alle reden.

Nun hat die Verwischtechnik auch die Parteien ergriffen. Ich versuche mich in einen dieser Köpfe auf den Listen hineinzudenken. Ich, AR verkünde, dass ich schon immer mit meinen Leserbriefen klar Position bezogen habe, also wählt mich. Ich will aber auf keinen Fall gewählt werden, denn das Amt würde mich sehr beschweren. Aber ich sorge dafür, dass jede Stimme für mich an den richtigen Ort kommt. Ich habe ja das Talent, etwas sagen, von dem ich weiss, dass ich nichts dafür tun kann, dass es verwirklicht wird; aber in meinem Kopf dreht es sich schon richtig, damit deine Stimme für mich, dem zufliesst, der es kann. Ich auf der Liste bin eigentlich nicht Ich, sondern ein anderer. Mein Kopf auf dem Flyer ist gar nicht gemeint.

Fazit: Der Wähler weiss nicht, ob das, was unter dem Kopf steht, auch von dem gemeint ist, dem die Stimme gilt oder ob der am Ende doch etwas ganz anderes meint. Da man dies also nicht mit Sicherheit weiss, nenne ich diese neue Wahlpraxis Unterlisten-Wokeness.

Entgegnung auf Leserbriefe

Die übliche Antwort auf einen Leserbrief folgt meist dem gleichen Schema. Es wird auf einen Leserbrief Bezug genommen, aber nicht auf seinen Inhalt. Ein Beispiel: In der Luzernerzeitung kritisierte ich das Bild mit Mistgabel, das symbolisch ausdrückt, man müsse endlich einmal im Asylwesen und bei der Einwanderung ausmisten. Der Stil des aggressiven Bildes, an dem noch ein ebenso symbolisch rotes Kleid hing, fand ich menschenverachtend, ein Zeugnis schrecklicher Gesinnung. Der Leserbriefschreiber dagegen ging nicht auf das Thema ein. Vielmehr nutzte er die Gelegenheit, sich und seine Partei als einzige zu loben, die sich der Sache der überzähligen Fremden annehme. Was natürlich nicht stimmt, den ganz Europa beschäftigt das Thema. Von einer solchen Stellungnahme würde ein Lehrer sagen, die Erwiderung sei ungenügend, denn sie habe das Thema verfehlt.

Zwei-in-Einem

In dir gibt es Zwei-in-Einem: Das Ich spricht mit dem Selbst. Stelle einmal die vielen Selbst in dir zusammen von Selbstverantwortung über Selbstgefälligkeit bis zu Selbstgewissheit. Du wirst erfahren, dass dein Ich sehr viele Selbst erkennt. Du bleibst im ewigen Kampf mit deinem Selbst wie mit einer Hydra, der Schlange mit den vielen Köpfen. Schlägst du den Kopf eines Selbst ab, wächst ein anderer nach. Schneidest du den Kopf der Selbstgefälligkeit ab, wächst dir vielleicht Selbstzufriedenheit zu. Schneidest du die Selbstverantwortung weg, wird der Kopf der Selbsterniedrigung an ihrer Stelle wachsen. Dem Dialog mit dir selbst und seinen vielen Köpfen kannst du nicht entrinnen, das wussten schon die alten Griechen und notierten am Apollo-Tempel von Delphi: Erkenne dich selbst. Falls du dies nicht zu tun versuchst, sagen dir deine Taten, wer du bist. Sie decken Selbstbeschönigung und gar Selbstlüge auf. 

Weltfrömmigkeit

C. F. Ramuz schreibt in seinem im Limmat-Verlag neu aufgelegten Werk «Sturz in die Sonne». Es erschien 1922 und wurde neu übersetzt: «Ich habe die Welt sehr geliebt. Jedes Mal, wenn ich versucht habe, mir etwas anderes vorzustellen, habe ich mich wieder sie vorgestellt. Wenn ich versucht habe, über sie hinauszugehen, bin ich wieder auf sie gestossen. Ich habe versucht, die Augen zu schliessen, um den Himmel zu sehen: Da war die Erde; und der Himmel war nur der Himmel, als er wieder zur Erde wurde» (S. 61). Mit wenig Worten schildert Ramuz, was ich unter Weltfrömmigkeit verstehe. Es ist ähnlich wie das Wort: Wenn ich den Tod denke, denke ich das Leben. In den Lüften der Transzendenz ist kein Leben. Das ewige Nichts über den Wolken ist leer.

Poesie

Auf meine Frage, was schaust Du gerade am Fernsehen, die Antwort: «Ich mag keine Nachrichten mehr hören, keine banalen, alltäglichen Berichte. Ich öffne das Fenster und höre den Abendgesang der Amsel. Er ist mir ein beruhigender Abschied vom hektischen Tag». Dieser Satz verändert sein Bewusstsein und die Stimmung. Er sagt: «Der Amselgesang gibt dem Abend eine neue Qualität. Er spricht die Sinnlichkeit und die Sensibilität an. Wie anders klingt der Tag mit Nachrichten aus».

Entscheidungen

Bei existenziellen Entscheidungen in der Politik muss man unterscheiden zwischen den Menschen, die in der Verantwortung stehen und den Kommentatoren. Die ersteren haben einen langen Prozess hinter sich und die letzteren fällen Instant-Urteile.  Der Prozess, der zur Entscheidung führt, benötigt eine lange Vorgeschichte und die Kommentare haben meist eine kurze Nachgeschichte. Bei den neuesten Meinungsäusserungen zum CS-Debakel in der Sondersession handelte es sich um «die gewöhnliche Übereilung eines ungeduldigen Verstandes» (Goethe), die zu keinen echten Ergebnissen führte als zu einem Mei-Mei an die Adresse des Bundesrates. Das Parlament kann auch so Vertrauen verspielen.

Homme arrivé

Ein Homme arrivé kommt oben an und überschätzt sich gewaltig. Er wird reich und glaubt, dass er aus eigener Kraft geschaffen habe, wie er zu Reichtum und Macht gekommen sei. Dieser Weg bläht das Selbstwertgefühl gewaltig auf. Putins Werdegang ist nur ein exemplarisches Beispiel. Er, der KGP-Agent, schraubt sich nach oben und wird an die wichtigste Stelle des Staates gespült. Angekommen, wird er zum proteischen Herrscher und demonstriert, wozu ein KGP-Mann fähig ist. Er will endlich zeigen, was er kann und wer er ist. Ein verlorener Krieg würde ihn wieder zum KGP-Mann degradieren. Napoleon landete nach verlorenen Kriegen auf der Insel Elba.

Antwort-Menschen und Frage-Menschen

Wir Menschen haben das Bedürfnis zu klassifizieren. Wir wollen Ordnung schaffen. In der Politik gibt es Rechte und Linke, potenziert: extrem Rechte und extrem Linke. Und selbst die Mitte-Partei hat einen rechten und einen linken Flügel. Ich selber füge diesem Rechts-Links-Schema eine weitere Klassifizierung hinzu, die wiederum die Klassifizierten einstuft. Es gibt Antwort-Menschen und Frage-Menschen. Diese findet man sowohl links als auch rechts. Die Antwort-Menschen wissen immer schon, was Sache ist. Zu den Frage-Menschen gehören die liberalen Linken und die liberalen Rechten. Sie fragen so lange wie Sokrates, bis sich die Sache klärt. Es sind die liberalen Pluralisten (Markus Gabriel). 10. 04

Privileg der Dummheit

Es ist ein Privileg, dumm zu sein. Man braucht nicht zu überlegen, wer man ist und auch nicht nachzudenken, ob das, was man sagt, wahr sei. Man darf im kantischen Sinne in einer selbstgewählten Unmündigkeit leben und sich treiben lassen. Die Kontrolle über den eigenen Mund ist nicht nötig, man liest und hört ja nur, was einem gefällt und erzählt weiter, was man gelesen und gehört hat. Das vielseitig genutzte Privileg der Dummheit, das oft durch voreiliges Wissen kaschiert wird, verschafft Selbstgewissheit und braucht sich nicht um Argumente zu bemühen, die auf Tatsachen beruhen.

Nichtwissen

Da der moderne Mensch immer mehr weiss, nimmt auch das Nichtwissen enorm zu. Das durch wissenschaftliche Forschungen unüberschaubar gewordene Wissen auf allen Gebieten hinterlässt gewaltige Räume des Nichtwissens, sodass allerhand Meinungen, die nicht auf Tatsachen abgestützt sind, auch Fake News, Verschwörungstheorien, Lügen und Behauptungen sich wohlfeil verbreiten lassen.

Trauerrede

Er starb im hohen Alter von 95 Jahren. Bis in die letzten Tage habe er Violine gespielt, drei Stunden am Tag und oft noch in der späten Nacht. Er habe Frauen geliebt, ein gutes Leben und einen gute Tag gehabt. Wer ihm diesen besorgt habe, da er nicht in die Kirche ging? Sie wundern sich, sagte der Pfarrer, und schmunzelte: Das tote Holz singe, wenn es Geige werde. Die Verwandten waren glücklich, dass da einer fast mit der Geige ins Grab stieg.

Robert Musil

Aus seinen Tagebuchnotizen: «Dichten ist keine Tätigkeit, sondern ein Zustand». Darum straft die Politik den Dichter. Der Politiker ist ein Aktivist. Heute hier etwas, morgen da, oft fünf Sachen hier und sieben dort, unaufhaltsam, ohne Ende, nicht absehbar. Was für ein Zustand aber ist das?

Sanduhr

In Gaston Bachelards «Poetik des Raumes» gibt es die schöne Stelle: «Die Zeit der Nacht? Die Zeit des gestirnten Himmels? Wo habe ich gelesen, dass ein Einsiedler, der ohne zu beten, dem Rinnen seiner Gebetssanduhr zusah, einen ohrenzerreisenden Lärm hörte? In der Sanduhr hörte er plötzlich die Katastrophe der Zeit. Das Ticktack unserer Uhren ist so grob, so mechanisch abgehackt, dass unser Ohr nicht mehr fein genug ist, um die fliessende Zeit zu hören». Ist es nicht so, dass wir vor lauter Lärm und Getriebe das Wichtigste des Lebens überhören und plötzlich am Rand unserer Zeit stehen und fragen: War das jetzt alles, dieses unser Leben?

Unzufriedenheit

Es kommt ein Gefühl auf, der Mensch blähe sich immer mehr auf und er sei gerade deshalb unzufrieden. Es werden in ihm schon in der Kindheit Erwartungen geweckt, die sich im Leben nicht erfüllen. Und wer ist schuld, wenn nicht eintrifft, was er erwartet hat? Der Staat! Er sei für das gute Leben zuständig. Darum heisst ein tragendes Wort: «Wir fordern!», aber was fordert der Mensch von sich? Zufrieden ist, wer tut, was er kann, unzufrieden aber, wer erwartet, wozu er nicht fähig ist.