Personenfreizügigkeit in Frage stellen – ein Feldversuch

In der Wissenschaftsforschung gibt den Begriff «Feldversuch». Beim Feldversuch wissen die Versuchspersonen nicht, dass sie an einem Experiment teilnehmen. Bei Abstimmungen über ein Thema wissen die Stimmbürger aber, dass es sich um einen Feldversuch handeln könnte. Nur kennen sie meistens die genauen Auswirkungen nicht oder sie schlagen sie in den Wind. Bei der kommenden Abstimmung über die Personenfreizügigkeit wird ein solcher Feldversuch durchgeführt. Die Versuchsanleitung der Initianten lautet: Die EU wird zu Gesprächen bereit sein, wenn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger dieser Initiative zustimmen. Es wird nicht so heiss gegessen wie gekocht. Testen wir einmal die EU-Länder! Wenn es um Mäuse oder Ratten ginge, dann könnte man auch schädliche Auswirkungen übersehen. Hier aber geht es um die Volkswirtschaft, um ihr Gedeihen oder ihr Verderben. Sollte der EU-Botschafter in Bern mit seiner klaren Meinung, dass die Annahme der Initiative zur Folge hätte, dass die Bilateralen Verträge dahin fallen würden und man wie damals nach dem EWR-Nein am Anfang der Verhandlungen mit der EU stünde, dann wäre dieses Experiment mit grossen negativen Folgen verbunden, zwar mit wissenden Versuchspersonen, lies Bürgerinnen und Bürgern. Wären es Mäuse und nicht Menschen, dann könnte man es wohl wagen. Ein Probelauf mit Betrieben, die auf Exporte angewiesen sind, und ihren Angestellten durchzuführen, scheint aber unverantwortlich. Will man die Einwanderung stoppen, dann müsste man das Wachstum bremsen. Vielleicht könnte dies die Nationalbank tun, in dem sie den Leitzins erhöhen würde. Es wäre dann ein anderer Feldversuch, der vielleicht weniger gravierend für die gesamte Volkswirtschaft wäre, wenn auch schmerzhaft, für Einzelne, aber sicher nicht so gravierend wie die Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU.