Schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück

Nachlese zur Abstimmung über das RTVG


Die SRG ist zweifellos eine demokratische Institution, sonst hätten wir nicht über die neue Gebührenordnung abstimmen können. Bei privaten Fernseh- und Radiosendern hat das Volk nichts zu sagen. Darum muss die Schweiz Sorge tragen zur SRG. Nachdem die Abstimmung so knapp ausgefallen ist, wurde etwas gar vorschnell behauptet, die Hälfte der Schweizer seien mit der SRG unzufrieden. Die Abstimmungsfrage aber lautete nicht: Wollt ihr die SRG zu Gunsten der Privaten und deren Einfluss schwächen? Es ging einzig und allein um das Gebührenregime. Die veraltete Billag-Bürokratie sollte ersetzt werden durch ein neues, realistisches System.
Schon im Vorfeld der Abstimmung las ich im Buch: «Weniger Staat, mehr Fernsehen», ungehörige Artikel über die SRG, mit frontale Angriffen. Sogar ein Nationalrat schrieb in endlosen Schleifen, die SRG pflege die Selbstinszenierung. Wörtlich: «Man glaubt, nur weil man Bedeutendes berichtet, sei man selbst bedeutend … Das Wichtige ist die Politik, Bildung, Kultur, Sport, aber nicht der Kasten, der dieses überträgt.» Das ist eine eklatante Unterschätzung der journalistischen Leistung, die erst dann verdriesslich und ärgerlich stimmt, wenn sie einseitig, parteiisch gefärbt, Interessen orientiert und sprachlich miserabel daher kommt. Gute, sachliche und gescheite Berichterstattung ist eine kulturelle Leistung erster Güte, und das wird der SRG, seinen Radios und dem Fernsehen niemand absprechen wollen. Karl Lüönd bestätigt in seinem kritischen Beitrag im Buch, die SRG sei gut geführt und «bezüglich der journalistischen Qualität und Integrität annehmbar». Von der Verwirrung, die die Nein-Propaganda erzeugt hat, müssten wir möglichst schnell wieder auf den Boden der Tatsachen und anständigen Kritik zurückfinden.