Zu: David Roths Facebook-Kommentar

Der Jungsozialist David Roth hätte sich, bevor er sich despektierlich zum Tod von Margaret Thatcher geäussert hat, auf die Hängematte legen sollen. Der glänzende italienische Kommentator Michele Serra, der jeden Tag in «La Repubblica», in seiner Rubrik «Amaca» = Hängematte, eine Glosse oder einen kurzen Kommentar zu politischen Vorkommnissen schreibt, beginnt mit dem Satz: Makabrer Humor schickt sich nicht, aber das Wort von Ken Loach, man solle das Begräbnis von Margaret Thatcher privatisieren, sei una battuta eccellente, eine witzige, schlagfertige Antwort oder Reaktion. Ein solches Wort hätte man wohl auch David Roth abgenommen. Serra zählt auf, was die damalige britische Premierministerin alles privatisiert habe. Der Thatcherismus mit seiner Privatisierungswelle und dem rigorosen Zurückdrängen des Staates habe zur Entsolidarisierung der Gesellschaft geführt. Man darf weitergehen: Letztlich steht dieser Ismus der heutigen Finanzmarktkrise Pate. Nun aber wird ein zeremonielles Begräbnis mit militärischen Ehren vorbereitet und es wird darüber nachgedacht, wo in Londons Zentrum Thatchers Denkmal stehen soll. Und dies alles auf Staatskosten. Warum liess sich die Thatcher eigentlich den Titel einer Baronesse verleihen?
Ich kann mich persönlich Michele Serra anschliessen und werde im Fernsehen der Übertragung eines pompösen Begräbnisses mit militärischen Ehren nicht folgen.