Pfefferkörner

Tore für den Kosovo

Denken sie einmal nach. Eine Nationalrätin kann sich nicht über den Schweizer Sieg über Serbien freuen: «Die beiden Goals sind nicht für Schweiz gefallen, sondern für den Kosovo.» Da fault Frau Rikli gerade das Schweizerteam. Sie verdient einen Penalty.

Wie sympathisch

Xherdan Shakiri lächelt und sagt, er habe auf dem rechten Schuh die albanische und auf dem linken das schweizerische Flagge abgebildet. Wenn ein Schweizer das komisch finde, könne er sehen, dass das Schweizerwappen auf dem linken stärkeren Fuss aufgemalt sei. Übrigens zeigte er nach dem Tor weg springend auch auf das Schweizerkreuz auf seiner Brust.

Sportreporter

Warum blähte Rainer Maria Salzgeber das Thema des Doppeladlers so penetrant auf? Weil Medien gerne eine Geschichte nach der Geschichte erzählen. Die gewöhnlichen Frage an die Spieler sind sonst ja immer so gewöhnlich.

Politikerkommentare

Nach dem Spiel gegen Serbien bemüssigten sich viele Politiker ihre Meinung kundzutun. Sie kritisierten die emotionale Reaktion mit dem Doppeladler. Mir schien, unser Sportminister Guy Parmelin fand sofort die richtigen, neutralen Worte. Er unterschied sich von anderen, die mit politisch gefärbten Worten sich zur Richterin oder zum Richter aufspielten. Aber das taten sie ja schon immer, wenn es um eingebürgerte Schweizer ging.

Ohne Respekt

Jetzt, wo die Schweiz die No-Billag-Initiative wuchtig verworfen hat, sollten die Parlamentarier, die so sehr behaupten, der Volkswille sei zu respektieren, nicht schon wieder Angriffe auf die SRG starten. Ein bisschen Anstand und Respekt bei einer so vernichtenden Niederlage würde ihnen gut anstehen.

Fehlende Alternativen

Als den Billag-Befürwortern die Argumente ausgingen, änderten sie die Strategie und bemängelten bei der SRG einen Plan B. Das war angesichts des Initiativ-Textes sehr verlogen und zugleich die Basis für neue Attacken.

Institutionen

Es ist seltsam, in letzter Zeit verbreitet sich in unserem gut regierten Land eine eigentliche Lust, bestehende und gut funktionierende Institutionen schlecht zu reden. Dies ist m. E. eine Folge einer pubertären Erscheinung, die auch auf Vertreter des Parlaments übergegriffen hat.

Landesrecht vor Völkerrecht

Der Höhepunkt dieser egomanisch, pubertären Entwicklung bildet die Initiative «Landesrecht vor Völkerrecht». Im Grunde zielt sie gegen die eigenen Richter, denen nicht zugetraut wird, dass sie abwägen können, wo die Bundesverfassung dem Völkerrecht unterliegt oder Schweizer Recht sich behaupten kann.

No-Billag-Initiative

Gut, dass Bundesrätin Doris Leuthard Klartext gesprochen hat. Ich teile ihre Meinung. Nach dieser Initiative sollen Radio und Fernsehen fremd gehen und dem globalen Medienmarkt überlassen werden. Diese Initiative ist das frechste Volksbegehren, worüber ich in meinem Leben abzustimmen habe. Ein Institution, die sich Jahrzehnte bewährt hat, ausgewogen und neutral informiert, angemessene Unterhaltung und Sport bietet, soll zerstört werden. Geld regiert die Welt, leuchtet hinter dieser Initiative auf. Dies würde wohl zu einem echten nationalen Notstand führen. Wir Radiohörer und Fernsehzuschauer sollten herum surfen, und die wesentlichen Nachrichten für unser mehrsprachiges Land aus zerstückelten Sendern mit vielen Tendenzen zusammen kramen. Das muten uns die Initianten zu. Nein, das darf nicht sein.

Starke Männer

Starke Männer politisieren nicht für das Volk, vielmehr brauchen sie es für ihre Zwecke.

Hass

Wer Menschen hasst, hasst sich selbst. Er ist mit sich unzufrieden.

Der Hund

Schopenhauer meint: «Woran denn sollte man sich von der Verstellung, Falschheit und Heimtücke erholen, wenn es keinen Hund gäbe?» Jeder Hundebesitzer würde ihm zustimmen. Aber nicht jeder verhält sich wie sein Hund.

Reichtum

Nochmals Schopenhauer, er bezieht sich nicht etwa auf die «Paradise Paper»: «Der Reichtum gleicht dem Seewasser: je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man.» Man kann im Seewasser aber auch versaufen.

SRG

Die SRG-Sender sind die einzigen, die Politiker kritisieren können. Also sollten sie doch ein Interesse haben, dass sie bestehen bleiben.

Abschiedsgottesdient

In der Kirche wird neuestens geklatscht, wenn der Jodelclub für den Verstorbenen ein Lied vorgetragen hat.
Machtlos daneben der Priester, der um die passenden Worte ringt.

Rigi Pläne

Was bringt es den Menschen, wenn die Rigi mit Attraktionen verkleistert wird? Nehmen sie den Menschen nicht etwas, was der Berg alleine gibt? Das beglückte Schauen in den Alpenkranz und das besinnliche Wandern nach einer Rast. Wer einen «Streichelzoo» wünscht, gehe in einen Tiergarten. Wer nach einer «Swiss-Shopping-Welt» verlangt, besuche ein Warenhaus. Wer reine Luft und eine phänomenale Aussicht sucht, gehe auf den Berg. Die Welt rund um den Berg ist schon lange ein «Abenteuerpark».

Botschaft von Bruder Klaus

Der reife Kern Nikolaus von Flües Botschaft, sagt Christoph Blocher auf dem Flüeli-Ranft, sei leicht zu finden: «Du sollst Dir immer dessen bewusst sein, dass deine Kraft, deine Mittel, aber auch deine Weisheit beschränkt sind.» Das schärft ein Milliardär dem einfachen Volk ein, der gerade mit Millionen seiner Milliarden Zeitungen seines Geistes zusammengekauft hat, um das Volk mit seiner Weisheit zu belehren. Da feiert der Widerspruch fröhliche Urständ und niemand sollte es merken. Das hat die Hierarchie der Kirche immer schon verkündet: «Lebt bescheiden, opfert euren Obolus, beichtet ehrlich und ihr werdet dafür im Himmel belohnt.»

Lüge

«Populismus ist Lüge», schreibt Boris Schumatsky in der NZZ vom 13. März 2017 und begründet den Satz mit vielen Belegen. Vor der Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative behaupteten Vertreter der SVP, diese tangiere die bilateralen Verträge nicht. Und nun scheiterte die Umsetzung an genau diesen Verträgen. Also haben wir es hier mit Populismus zu tun.

Volk

Gewinnen Populisten eine Volksabstimmung, verlangen sie eine strikte Umsetzung der Initiative im Gesetz. Verlieren sie, braucht man das Volk nicht so ernst zu nehmen. Wer ist für sie nun das Volk?

Demokratie

In der Demokratie wählt das Volk auch Männer, die sich durch die Gunst eben dieses Volkes zu ihrem absoluten Herrscher aufschwingen oder es zu tun versuchen. Putin gehört zu ihnen, aber auch Hitler wurde vom Volk gewählt und viele weiteren Autokraten. Leider werden sie von den Wählende nicht nach ihrer Rechtsstaatlichkeit gefragt, die über der Demokratie steht. Er, der Rechtsstaat, ist der Massstab für das

Grössenwahn

Trump: Die Unterschrift unter die Dekrete weist von mal zu mal höher ausschlagende Buchstaben auf. Ein Zeichen, das ihm der Kamm wächst. Die Schrift verrät den Grössenwahn.

Hass

Glarner: Er werde zupacken, wenn ihn einer beleidige, las ich in «Zwanzig Minuten». Er spürt nicht, dass er mit seinem Burka-Plakat einerseits lügt und andererseits eine Generation von Ausländern, die sich einbürgern lassen möchte, beleidigt. Der Hass auf junge Ausländer der dritten Generation kann nur auf Selbsthass gedeihen. Hass auf andere frisst den Hassenden innerlich auf.

Lügenpresse

Lügenpresse: Die Politik steht nicht im Ruf ehrlich zu sein. Sie kaschiert die Unwahrheit mit Meinungen. Und eine Meinung kann jeder haben, sei sie elaboriert oder einfach nachgesagt.

Populismus

Was ist Populismus? Endlich weiss ich es. Gaston Bachelard, der französische Philosoph geb. 1884, formuliert es wie folgt: «Wenn in einer Erkenntnis die Summe der persönlichen Überzeugungen die Summe der erklärbaren, lehrbaren oder beweisbaren Kenntnisse übersteigt, wird eine Psychoanalyse unentbehrlich.» Das heisst übersetzt: Wenn die persönliche Meinung einen Sachverhalt und die Wahrheit übersteigt, dann offenbart sich Populismus, und es wäre eine Psychoanalyse angesagt.

Arena (vom 2.12.16)

Peinlich, peinlich! Ein Ständerat, der den ganzen Abend nur ein Argument hat: «Ihr setzt den Volkswillen nicht um! Alles, was ihr sagt, sind Nebengeräusche», der den hilflosen Eindruck macht, er wisse nicht genau, um was es bei der Masseneinwanderungsinitiative wirklich gehe, wirkt peinlich. Alle Meinungen, die da geäussert wurden, waren längst bekannt. So hatten wird es mit einem Hornberger Schiessen zu tun, bei dem das Pulver längst verschossen war, bevor der Tross des «Herzogs» mit seinem Gefolge ankommt (siehe Hornberger Schiessen unter Wikipedia).

Labiles Gleichgewicht

Die SVP als einzige Partei hat sich in Bern komfortabel eingerichtet. Sie sagt fast immer Nein, weil sie weiss, dass die anderen Parteien schon dafür sorgen, dass das labile Gleichgewicht im Staat erhalten bleibt.

Lasst ihn drohen!

Wenn Ihr uns nicht gehorcht, dann «wird unsere Partei geschlossen eine Volksinitiative zur Kündigung der Personenfreizügigkeit lancieren». Haben wir nicht schon zwanzig Jahre das krächzende Lied gehört und stehen noch immer am gleichen Ort. Lasst ihn doch drohen, auch mit ausgestreckten Fäusten!

Die schweigende Schweiz

Eine knappe Mehrheit von 0,3 stimmte der Masseneinwanderungsinitiative, bei einer Stimmbeteiligung von 56,6 Prozent, zu. Wo war die schweigende Schweiz der Professoren, die heute wähnt, von der internationalen Forschungszusammenarbeit ausgeklammert zu werden? Der oberste Rektor und Präsident von Swissuniversities beklagt die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative und ihre Folgen für den Lehr- und Forschungsplatz Schweiz.

«Abweichler»

Eine Zeitung nannte sie «Abweichler» und prangte sie an. Wohin führt dies, wenn alle dem Parteipräsidenten folgen und sein Gewissen zu dem ihren machen? In der Staatsduma in Moskau haben alle Putins Gewissen.

Die weissen Lämmer

Das Schweigen der weissen Lämmer ist unheimlich. Sie warten auf ein schwarzes Schaf, dann blöken sie wieder.

Weich und weise

Die alten politischen Streitrösser werden weich und weise. Silvio Berlusconi verlangt nach der Beichte beim Spitalpriester. Er lobt die Italiener und sagt: «Was ist das für ein schönes Italien, in dem sich alle Menschen lieben». Christoph Blocher warnt vor dem zunehmenden Populismus. Leider ist Putin noch etwas zu jung.

Ironie

Welch eine Ironie. Christoph Blocher warnt vor Populisten! Keine Messerstecher mehr.

Ver-Trumpung der Politik

Trump, der amerikanische Anwärter auf das höchste Amt, fiel nicht vom Himmel. Er ist eine Konsequenz der republikanischen Politik gegen Institutionen und Politiker. Ebenso wenig fällt ein Roger Köppel vom Himmel.

Köppel im Parlament

Entgleisung eines Parlamentariers. Heftiger Angriff auf Sommaruga von Roger Köppel, der ausführte: Sie, die Bundesrätin, nehme lieber Menschen Wohnungen und Häuser weg, um die von ihr ins Land geholten Männer aus Gambia, Somalia und Eritrea als Asylanten unterzubringen. Man lese den Satz sehr sorgfältig. Welche Lügen und welche Häme steckt ihn ihm. Wenn die Wählerinnen und Wähler solche Typen wie Köppel ins Parlament schickt, fällt dies auf das Wahlvolk zurück.

Arena vom 22. April 2016

Toni Brunner und Roger Köppel mögen gegen die Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit voller Emotion dreinfahren, die Asylgesetzrevision ablehnen, sie wirken dennoch argumentativ schwach. Die ruhige Überlegenheit der Bundesrätin beeindruckt durch ihre Sachlichkeit.

Wischiwaschi Politik

Einst wurde der FDP vorgeworfen, sie betreibe eine Wischiwaschi-Politik. Nun fällt der Vorwurf wie ein Bumerang zurück. Die SVP verlangte u. a. eine Beschleunigung der Asylverfahren. Nun ist diese erreicht und findet trotzdem in ihr eine spitzfindige Gegnerschaft.
Das nennt man Wischiwaschi. Etwas verlangen und dann dagegen sein. Man könnte es auch Opportunismus nennen.

Banalität der Schäfchenplakate

Die Banalität der Schwarz-Weiss-Malerei und des Schwarz-weiss-Denkens ist nirgends so augenscheinlich wie auf den Schafplakaten der SVP. Sie lassen auch erkennen, was die Partei vom dummen Volk hält. Dazu das verlogenen Schlagwort: «Endlich Sicherheit schaffen.» Halten die Parteiführer das Volk für dumm oder lachen sie über die Dummheit, die verfängt. Für ein solches Plakat habe ich nur «zivilisierte Verachtung» übrig (siehe NZZ vom 20. Februar 2016).

Schwarz-Weiss-Politik

In der NZZ vom 20. Februar 2016 empfiehlt Carlo Strenger, man solle der Schwarz-Weiss-Politik mit «zivilisierter Verachtung» entgegentreten, mutig die aufgeklärten und differenzierten Werte vertreten und nicht schweigen, wenn Populisten ihre irrationalen Ansichten mit Schlagworten verkünden. Was illustriert die Schwarz-Weiss-Politik am augenscheinlichsten? Es ist doch das Plakat mit dem weissen und schwarzen Schaf. Der neueste Flyer in den Briefkästen verspricht «Mehr Schutz für unsere Frauen und Töchter», dabei spediert das weisse Schaf mit einem Fusstritt das schwarze aus dem weiss-roten Feld. Und dies einfach so, ohne zu überprüfen, ob es verhältnismässig sei, es mit einem Stoss in den Hintern aus dem Land zu schaffen. Das kann nur jemand fordern, der der Dritten Gewalt im Staat vorwirft, sie betreibe eine Kuschel-Justiz. Eine solche pauschale Verunglimpfung verdient nichts als zivilisierte Verachtung.

Hass in Leserbriefen

In Leserbriefen. die gegen Fremde gerichtet sind, schlägt dem Leser Hass entgegen. Ich kann diese Passagen nur als Selbsthass lesen, die auf die unbekannten Fremden projiziert werden.

Köppel im «Spiegel»

Nichts gegen Köppel! Er wirke, wie ein Geisterfahrer, war das Fazit des Artikels. Dachte ich auch, als ich ihn letzthin am Fernsehen sah.

Schleiereulenmethode

In der Politik nimmt die Schleiereulenmethode zu. Schleiereulen sind nachtaktiv. Sie jagen Nager, Mäuse, Kröten, auch Fledermäuse. Sie operieren im Dunkeln. Ihre Feinde sind die Künstler, Intellektuellen, die Classe politique, Professörlein, die Ämtchenträgerlein, die Richter, die Institutionen. Es ist die Methode, wie Vertrauen untergraben wird.


Zu diesem Thema liegt auch eine Kolumne «Schleiereulenpolititk» vor.

Zum ersten Satz eines Leserbriefs

Trix Iten, Präsidentin der SVP Unterägeri, schreibt: «Die Gegner der Durchsetzungsinitiative kämpfen ausschliesslich für die Interessen der Verbrecher.» Ich bin aus staatspolitischen und rechtsstaatlichen Gründen gegen die Initiative. Kämpfe ich jetzt für die Interessen der Verbrecher. Möchte ich gar ein Opfer von Verbrechen sein? So ein Stuss! Ich würde die «armen Kriminellen» unterstützen, wird mir da noch unterstellt. So ein ausgemachter Blödsinn, und die Dame glaubt noch daran.

Frage und Antwort

Fragte mich einer: Was haben Sie zum Bundesratskandidat Aeschi zu sagen.
Nichts, meine Antwort, ich wünsche ihm Glück und Blochers Segen.

An die SVP

Peter Sloterdijk meint: Die Parteien seien Affektsammelstellen. Sie schöpften aus reicher Empörungsfolklore.
Warum schwingt die SVP immer die Schweizerfahne, lässt Kuhglocken erklingen und singt die Hymne an Maskottchen Willy?

Im ZDF werden zur Flüchtlingsthematik (1. September 2015) Facebook-Einträge publiziert und geben zu bedenken:

Es wird Dreck abgeladen. Jeder Hundehalter nimmt den Hundekot auf. Im Facebook bleibt er liegen.

An Christoph Mörgeli

Wer ewig streitet, spürt sich offenbar ohne Streit nicht mehr.

Man ist im Alter die Karikatur der mittleren Jahre. Wer streitet, wird streitsüchtig.

Die Diminutive des grossen Blocher

«Christöffli» schimpfte am Parteitag in Rotenthurm über die Professörli und Ämtchenträger. Sie würden die Classe politique wegen den bilateralen Verträglein ins Bockshorn jagen und die Unabhängigkeit opfern, siehe NZZ vom 27. Oktober 2014. Meine Anmerkung: Tosender Applaus von 500 SVP-Parteigängerlein und von Tonnilein aus dem St. Gallischen und Peterlein aus dem Muotathal.
Peterlein habe in seinem Referat über die EMRK (Europäische Menschenrechtskonvention) für die EMRK nur Ausdrücke des Abschätzigen übrig gehabt. Man solle die unliebsamen Staatsverträge möglichst bald kündigen. (Er ziehe sich dann ins Muotathal zurück, füge ich bei). Muss es dem Juristen Blocher und ehemaligen Justizdepartements-Chef nicht kalt über den Rücken gelaufen sein, als er seinen Zauberlehrling hörte?
Kein Aufschrei im Land. Man gewöhnt sich langsam an die Rüpel. Wie heisst Sloterdijks neues Buch? «Die schrecklichen Kinder der Neuzeit».

Die untragbare Komplexität der Vereinfachung

Nichts ist komplexer als die Vereinfachung. Dies stellt man bei jeder Kampagne über eine Volksinitiative fest. Oft wird dabei eine Reduktion auf ein emotionales Schlagwort oder eine Schuldzuweisung vorgenommen. Die EU eignet sich dafür vorzüglich, aber auch der Bundesrat. Vox Analyse: Die Ja-Stimmenden zur Einwanderungsinitiative nahmen die Kündigung der bilateralen Verträge bewusst in Kauf. Damit zielt die Initiative von einem hausgemachten Problem auf einen Sündenbock, auf die Personenfreizügigkeitslösung. Wie komplex die Umsetzung ist, zeigt sich in Fällen wie der Abzocker-, der Zweitwohnungs-, der Ausschaffungs-, der Alpen- und der Masseneinwanderungsinitiative. Der Bundesrat hat die Folgen bedacht, die Initianten haben sie bagatellisiert.

Zum Plakat der SVP – gegen Masseneinwanderung

Tägg tägg tägg – sie marschieren wieder, die Männer mit den Stiefeln, und folgen ihrem Führer.

Der Wind aus der Tiefe

«Il vento dal profondo» übersetzt Paul Ginsborg das Wort «bottom wind» von Samuel Coleridge in seinem Buch «Salviamo l’Italia». In Italien fehle der Wind aus der Tiefe. In der Tat, er weht sogar in der Poebene über die Oberfläche, und so wird allmählich alles oberflächlich. Es ist zu hoffen, dass unsere Medien, und vor allem die SRG, den Menschen doch noch ein bisschen Wind aus der Tiefe spüren lassen, sonst trocknet auch unser Land aus.

Christoph Blocher

Am 18.10.2006 titelte ich eine Kolumne: «Christoph wird uns fehlen». Eine ähnliche hätte ich über Silvio Berlusconi schreiben können, denn beide Milliardäre inszenieren sich glänzend vor den Medien. Nach der 1. August-Rede Blochers auf dem Gotthard sage ich: Es ist Zeit, dass er abtritt; sagte er doch in einem Interview selber, er sage eigentlich immer dasselbe, und dies in immer grösserer pathologischer Manier – wie Silvio übrigens.

Kaspar Villiger

Am 21. 11. 2003 erschien in der NLZ meine Kolumne «Kaspar Villiger – ein Staatsmann tritt zurück». Darauf erreichte mich ein Brief mit der Frage, wie ich auf die Idee komme, Villiger einen Staatsmann zu nennen, was er keineswegs sei. Weil ich glaubte, ich hätte meine Ansicht genügend begründet, warf ich den Brief weg. Heute müsste ich mich beim Briefschreiber entschuldigen und ihm Recht geben. Er sei halt doch nur ein Banker, müsste ich schreiben, und wahrscheinlich war er es schon damals, als ich seine Aufsätze las.

Pfefferkörner

Der Schweiz geht es gut. Sie hat entdeckt, dass man über den Bundesrat beliebig schimpfen kann.

Indiskretionen bezeugen, dass jemand nachgedacht hat. Nachdenken gibt Stoff für gewisse Parlamentarier, sich zu profilieren. Es ist schon gut, wenn man dem Bundesrat kein Denkverbot auferlegt.

Sowohl die Franzosen als auch die Italiener fühlen sich durch ihre Fussballer in ihrer Mittelmässigkeit ertappt. Von ein Sinn- und Identitätskrise sprachen die Kommentatoren schon vor den Niederlagen beider Fussballmannschaften. Sie würden dem Land bloss den Spiegel vorhalten.
In einer Glosse in «La Repubblica», bezeichnenderweise mit «Die Hängematte» (L’AMACA) überschrieben, schreibt Michel Serra über die Mediokrität der italienischen Spieler wörtlich: «…non solo nel calcio – la mediocrità è la condizione che descrive meglio di altre questo lungo scorcio della nostra vita nazionale, prima ne prendiamo atto, meglio è.» Er meint, der lange Weg des nationalen Abstiegs in den letzten Jahren werde durch das Ausscheiden der Nationalmannschaft deutlich gemacht. Je eher die Italiener das wahrnehmen würden, umso besser.

Was wäre wohl geschehen, wenn Bundesrat Christoph Blocher noch während seiner Zeit in der Landesregierung zur Ansicht gekommen wäre, der Staatsvertrag mit den USA in Sachen UBS sei das kleiner Übel? Er hätte wohl das Wischiwaschi verhindert, dessen Urheber er nun wohl selber geworden ist.

Pfefferkörner

Robert Walsers Frage «Wann ging die feine Stäubung dem Schmetterling in mir verloren?» ersetzt den ganzen Beichtspiegel der Katholischen Kirche (im Gedicht: «Was fiel mir ein?»)

Der Mensch wird nicht gut durch Religion, sondern die Religion, weil er gut ist.

Pfefferkörner

Toni Brunner sagte am Abend nach gewonnener Abstimmung vom 27. November 2009: Wir und das Volk müssen zeigen, wo es durchgeht. Christoph Blocher hätte gesagt: Ich und das Volk … und Silvio Berlusconi sagt: Io e il mio populo! Das haben aber vor ihnen schon andere gesagt.

Sollte das Ja zur Minarett-Initiative wirtschaftliche Folgen haben, wird die SVP schon diejenigen finden, die schuld sind. Die fand sie nach dem EWR-Nein ja auch: Der FDP-Filz bei der Swissair.

Mir geht es wie Heinrich Zille, dem Hinterhofmaler, der zwei Fischer auf einem Steg gezeichnet hat: «Mensch, August, die Fische sinn nich so dämlich wie wir! Bei det Sauwetter sitzen se alle unter de Brückenbogen, det se nich nass wer’n!»

Satire in der Schweizer Politik

Für Christoph Blocher sind die ihm nicht hörigen Politiker im Thurgau ein faules Nest. Sie hätten kein Rückgrat. Und schon dreht sich der Spiess gegen ihn: Nationalrat Spuhler stellt die Frage, wem das Rückgrat fehle. An der Delegierten Versammlung in Brig habe Blocher sich noch mit Händen und Füssen für die Personenfreizügigkeit eingesetzt und nur einige Monate später habe er in Dietikon die gegenteilige Meinung vertreten. Dazu passt ein Wort von Markus M. Ronner: «Es gibt Menschen, die sich eine so dicke Haut zugelegt haben, dass sie auch ohne Rückgrat aufrecht stehten können.» Da kämpft wohl ein Aufrechter gegen Rumänien und Bulgarien und verkauft seine Produkte gerne ins Ausland.

Nur dreihunderttausend

Welche Zynik liegt im Wörtchen «nur», wenn es von einem Bischof auf hunderttausende von umgebrachten Menschen bezogen wird.

Papst verpasst Chance

Papst Benedikt XVI. rehabilitiert vier exkommunizierte Bischöfe, darunter auch Richard Williamson, der den Holocaust leugnet, die Gaskammern in Frage stellt und behauptet, die Nazis hätten «nur» 200'00 bis 300'000 Juden umgebracht. Damit verpasst der Papst ein Chance, sich klar von einem Bischof abzugrenzen, der mit seinen Äusserungen ein Ärgernis ist, nicht nur bei den Juden. Und so wird der Entscheid das Vatikans selber zum Ärgernis. Es würde auf Benedikt XVI., den deutschen Papst, Glanz fallen, hätte er den Mut gehabt, ein Zeichen zu setzen und nur drei in die Mutter Kirche zurückzuholen.

Proteus

Geld anhäufen ist Ersatztranszendenz und huldigt dem griechischen Gott Proteus, der sich in alle Gestalten verwandeln kann.

Lautstärke

Sie geben sich erschüttert, dass es der UBS schlechter geht als angenommen. Aber gegen den Systemfehler der Bonifikationen haben sie die Stimme nicht erhoben oder sie klang sehr leise.

Spekulation

Mehr Freiheit – weniger Staat, jetzt zwingt die deregulierte Freiheit den Slogan umzukehren: Mehr Staat – weniger Spekulation.

Das schlechte gute Gewissen

In Theodor Fontanes Roman «Cécile» heisst es: «Ich sprach von seinem bösen Gewissen und mit Recht. Denn das, was wir ein böses Gewissen nennen, ist ja immer ein gutes. Es ist das Gute, was sich in uns erhebt und uns bei uns selber verklagt.» Machtmenschen haben ein gutes Gewissen. Robert Mugabe hat das seine mit Gott gleichgeschaltet.

Atei devoti

In Italien schmeicheln unterwürfige Politiker dem Papst und den Kardinälen. Es sind unterwürfige Atheisten oder verwirrte Menschen wie Berlusconi, die andächtig in der Kirche knien und nicht verstehen können, dass sie von der Kommunion ausgeschlossen sein sollen, weil sie in erster Ehe geschieden sind.

Religion und Macht

Im St. Galler Tagblatt vom 28. Juni 2008 wird Robert Mugabe zitiert: «Nur Gott kann mich aus dem Amt entfernen… und: Ist es denn meine Schuld, dass ich zu gross bin für andere? Soll ich Gott den Allmächtigen bitten, mich ein bisschen kleiner zu machen?» Die Religion schadet guten Menschen nicht, sie macht schlechte Menschen schlechter. George W. Bush bemerkte einmal, er trage Gott auf seinen Schultern.

Jesus von Nazareth

Benedikt XVI. alias Joseph Ratzinger hat ein Buch geschrieben über «Jesus von Nazareth». Die Ergebnisse der historisch-kritischen Geschichtsforschung wendet er nur selektiv an. Er akzeptiert im Grunde die moderne Jesusforschung nicht. Das führt zu einer Christologie von oben. Das Buch dürfte nicht den Titel: «Jesus von Nazareth» tragen, sondern müsste «Jesus Christus» heissen. Schon die Evangelien waren Theologie. Die nicht genehmen (Judas und Thomas Evangelium) hatten die Aufnahme in den Kanon der römisch-katholischen Kirche nie geschafft. Wie also soll man Ratzingers Buch lesen?

Gealterte Hoffnung

Der grosse Literaturgelehrte und Schriftsteller Hans Mayer prägte in einem Interview das Wort «gealterte Hoffnung». Ein Blick Richtung dem Rom von Benedikt XVI. lässt meine katholische Hoffnung alt werden. Aber angesichts der konservativen Bewegung altert auch meine Hoffnung auf eine offene und liberale Schweiz.

Die Meinung kundtun

Oft wird gesagt, ein Politiker, der zurückgetreten sei, soll besser schweigen. Das ist ein gutgemeinter Ratschlag. Aber auch nach seiner Demission bleibt er mit Sicherheit ein engagierter Staatsbürger. Es gibt Vorfälle, die die Selbstachtung verletzen. Sie kann oft nur durch ein treffendes öffentliches Wort geheilt werden.

Leserbrief

Du schreibst einen Leserbrief und erhältst anschliessend anonyme Zuschriften. Dahinter zeigt sich kein Gesicht, es verrät sich kein Name. Soviel Zivilcourage müsste einer doch aufbringen, zumal ich als Leserbriefschreiber nicht beisse.

Entschuldigung

Der Mailänder Kardinal Dionigi Tettamanzi bittet Geschiedene, Getrennte und wieder in Gemeinschaft lebende Katholiken um Entschuldigung. Sie hätten von Seiten Religiöser eine Verurteilung ohne Barmherzigkeit zu ertragen (un giudizio senza misericordia). Die Kirche hat sie vom Empfang von Sakramenten und kirchlichen Segnungen ausgeschlossen. (La Repubblica 21. Januar 2008). Eine Entschuldigung und Einsicht, die für viele zu spät kommt.

Söldner

Die privaten Söldnertruppen, die als private Kriegsherren im Irak und in Afrika töten und dabei viel Geld verdienen, bilden den Extremfall gesetzloser Freiheit. An den Extremen erkennt man den hinter einer Sache waltenden Geist. Wo der Rechtsstaat schwach ist, herrscht das Gesetz des Dschungels.

Killerinstinkt

Toni Brunner habe einen Killerinstinkt. Soldaten im Irak kämpfen mit Killerinstinkt. Schön zu beobachten, wie Journalisten und Politiker, die so reden, das Gefühl für die Sprache verloren haben.

Immobilienkrise

Die Immobilienkrise (mit Milliarden Verlusten auch der UBS) beweist einmal mehr, dass der Drang nach Grösse Wahnsinn ist und viele Kleine in den Abgrund reisst.

Sieben Blocher im Bundesrat

Nationalrat Peter Spuhler, enttäuscht, dass man den besten Bundesrat abgewählt habe, meinte, es bräuchte sieben Blocher im Bundesrat. Das beste Rezept, um die Regierung total zu blockieren.

Der beleidigte Milliardär

Seit Milliardär Silvion Berlusconi in Italien die Wahlen verloren hat, bekämpft er mit allen lauteren und unlauteren Mitteln die Regierung. Schon einige Male hat er Romano Prodi totgesagt. Beleidigte Milliardäre sind gefährlich. Rache ist ihr Antriebskraft. Sie setzen Machtmittel ein. Er liebe sein Land, sagt Berlusconi, aber offenbar nur so, wie er es regieren möchte. Gewisse hausbackene Parallelen drängen sich auf.

Trotz-, Droh- und Zornkollektiv

Es ist amüsant zu beobachten, wie sich um den abgewählten Milliardär das Trotz-, Droh- und Zornkollektiv versammelt und ein Gewitter zusammenbraut.

An den Extremen erkennen

Will man wissen, wohin der freie Markt in einer globalen Welt führen kann, muss man auf die Auswüchse schauen. Im Irak kommen private Söldnertruppen zum Einsatz, die totschlagen und morden. Wenn der Staat die Macht und Gewalt an freie Unternehmer delegiert, zulässt, dass das Gewaltmonopol kommerzialisiert wird, sind wir endlich im Mittelalter angekommen.

Bürgerliche Politik

Die Nichtwahl in den Ständerat interpretierte Ueli Maurer als Niederlage der bürgerlichen Sache. Das ist purer Unsinn. Bürgerliche Politik ist ganzheitliche Politik, keine Teilausschnitt-Politik.

Fernsehklatsch

Der italienische Journalist Massimo Mucchetti Feltrinelli schreibt, dreissig Jahre lang im Fernsehgeschäft tätig zu sein, helfe verstehen, dass Klatsch und Geschwätz niemals unschuldig seien. Sie würden von denen alimentiert, die Geld, Macht und Beziehungen hätten. Das Fernsehen sei in der Lage zu schmeicheln, zu unterstützen und einzuschüchtern. Aha! Darum versuchen die Mächtigen sich der Medien zu bemächtigen. Damit sie ihre Kritiker stumm machen und ihnen das Wort verweigern können.

Schwarze Schafe

Ein Leserbriefschreiber behauptete in der NZZ, man solle nicht scheinheilig tun. Jedermann wisse, was es bedeute, wenn einer als Schwarzes Schaf bezeichnet werde. Es seien ja nicht die «bösen» Ausländer unisono mit dem Plakat gemeint. Das ist wohl richtig. Aber keine Familie verstösst das «Schwarze Schaf». Man versucht es in die Familie zurückzuholen. Oft genug wird aus einem randalierenden Jugendlichen ein strammer, erfolgreicher Mann.

Der Sonntag von Bern

Der schwarze Block störte die SVP bei ihrem Marsch auf den Bundesplatz und demolierte die Einrichtungen der Partei. Jetzt ist der Ruf nach der Bekämpfung der «Schwarzen Schafe» sehr laut geworden. Der Zufall wollte, dass es die SVP traf. Oder war es etwa kein Zufall?

Identitätskrise

«Nella politica americana Dio sembra avere una crisi di identità» (La Repubblica 24.09). Warum? Die amerikanischen Politiker haben die Religion und Gott entdeckt. Es stehen Wahlen bevor. Noch kürzlich sagte G. W. Bush, Gott stehe auf seinen Schultern. Jetzt nehmen ihn auch die Clintons und alle anderen Kandidaten auf ihre Schultern. Gott ist plötzlich nicht mehr ein Republikaner.

Politiker überschätzen sich

Georg Christoph Lichtenberg meint: «Die grössten Dinge in der Welt werden durch andere zuwege gebracht, die wir nicht achten, kleine Ursache, die wir übersehen, und die sich endlich häufen.» Hätte G.Ch. L. nicht recht, gäbe es die Sowjetunion noch immer, und Frankreich würde von einem Napoleon regiert. Darum bitte keine Angst vor Christoph Blocher!

Der Stil ist auch Inhalt

msn in der NZZ vom 8. September:

«Nun ist Wahlkampf, und ‹Skandale› beleben das Geschäft. Es wäre naiv, die Schweiz von diesem international schon längst erprobten Schema verschont zu glauben. Auch hierzulande wird auf den Mann gespielt – zunehmend hart, unfair und mit bösen Tricks …dazu gehört ein gerüttelt Mass an Stillosigkeit.»

Ich habe in meinem Buch «Lust an der Politik» (2000) ausführlich beschrieben, warum der Stil auch Inhalt ist. Der verunglimpfende Stil meint Person und Sache, um die es geht.

Der Komplott-Plan

Jeder besonnene Schweizer weiss, dass Christoph Blocher vom Parlament wieder gewählt wird. Warum also immer das Gerücht, es komme im Dezember zur Abwahl? Es ist Propaganda! Es ist Wahljahr. Die Protagonisten des Gerüchts hoffen und lachen, wenn am Ende die Wähler Mitleid mit dem «gefährdeten B» haben. Das gibt Stimmen. Die andern Parteitaktiker gehen der SVP auf dem Leim.

Pasticcio politico

Nach der Lektüre von «La repubblica», vierzehn Tage lang am Meer, weiss ich, dass die Italiener den «pasticcio politico» satt haben. Wirre politische Aussagen, ständiges Durcheinander, verwickelte Geschichten, Bossi mit seinem losen Maul und Berlusconi, der seine Niederlage nach wie vor nicht verdaut hat, zudem ein Regierungslager, das sich dauernd in den Haaren liegt. Zurück in der Schweiz, treffe ich auf einen «pasticcio politico», der dem italienischen alle Ehre machen würde. Es herrscht eine aufgeregte Diskussion um einen geheimen Komplott-Plan gegen Blocher.

Vorurteile

Wenn ich einen Text über Vorurteile schreiben müsste, würde ich Georg Christoph Lichtenberg zitieren (Aus Heft A der «Sudelbücher» 26).
«Die Esel haben die traurige Situation, worin sie jetzo in der Welt leben, vielleicht bloss dem witzigen Einfall eines losen Menschen zu danken, dieser ist Schuld, dass sie zum verächtlichen Tier auf immer geworden sind und es auch bleiben werden, denn viele Eselstreiber gehen deswegen mit ihren Eleven so fürchterlich um, weil es Esel, nicht weil es träge und langsame Tiere sind.»
So ist einer Nationalrat, wird Schattenaussenminister - und bleibt es. Ein anderer ist ein Jugo – und bleibt es.

Nestbeschmutzer

Wenn jemand eine unangenehme Wahrheit sagt, nennt man ihn einen Nestbeschmutzer. Das ist Nationalrat Joe Lang schon einige Male widerfahren. Der bürgerlich beherrschte Kanton Zug müsste eigentlich auch einen Joe Lang verkraften können, oder etwa nicht? Wie sagte mir einst Konservativer, als ich seine Meinung in Sachen Klimawandel nicht teilte: Die Hund bellen, die Karawane zieht weiter. Und er schimpfte mich einen sozialliberalen Freisinnigen.

Städte mit Stände-Status

Auch die SP ist zum Vergessen kreativ. Sie präsentiert eine Ausgeburt der wahltaktischen Phantasie. Was bleibt da dem Wähler zwischen Rechts und Links? Die Grünliberalen, vielleicht doch die Freisinnigen oder die Christdemokraten? Vorerst heisst es Tee trinken und abwarten. Vielleicht kommen auch diese Parteien mit tollen Ideen auf den Wahlmarkt. Dann bleibt nur noch die Wahl einer glaubwürdigen Person.

Steuern senken

Den Staat aushungern. Ein schwacher Staat schafft Lücken, in denen sich nicht nur das private Kapital, sondern auch die Mafia einnisten kann.

Respekt für Samuel Schmid

Einziger Lichtstreifen bei der «mythischen Offensive» der SVP (NZZ, vom 20. August 2007) war das Referat von Bundesrat Samuel Schmid. «Respekt erfordert Gegenseitigkeit.» Dann wies er darauf hin, dass Rücksicht gegenüber Minderheiten eine Tugend sei. Er dachte wohl auch an die Minarett-Initiative, an kopftuchtragende Frauen und hatte wohl den Satz seines Bundsratskollegen «Wir haben ein ‹Balkan-Problem›» im Visier. Sonst konnte man nichts Erbauliches am Parteitag der SVP in Basel ausmachen. Höchstens, dass es um Rückeroberung des Rütli ging.

Vertrag mit dem Volk

Der Wahlkampf kreiert unglaubliche Ideen. Die SVP-Kandidaten beschwören einen Kontrakt mit dem Volk. Nur das Volk ist nicht berechtigt zu unterschreiben. Jörg Haider bot dem österreichischen Souverän einen Vertrag an, Silvio Berlusconi tat es ihm gleich und nun unterschreiben Ueli Maurer und Caspar Bader ein allbekanntes Dreipunkteprogramm als «Vertrag mit dem Volk». Die Politik ist doch ein lustig Ding!

Weichsinnig

Seit Ueli Maurer auf einer gemeinsamen Liste mit den Freisinnigen in den Ständerat gewählt werden möchte, sind sie nicht mehr weichsinnig. Auch die Höflichkeit ist gelegentlich Taktik.

Vulgäre politische Sprache

Im Kommentar zu einem Leserbrief beschäftigt sich Corrado Augias in «La Repubblica» vom 5. Juli mit der Gefahr der vulgären politischen Sprache. Er zählt eine ganze Reihe von vulgären gegenseitigen Beschimpfungen der Politiker auf. Die Richter werden als «malati di mente» bezeichnet, was man mit geisteskrank übersetzen könnte. Wer diese Sprache salonfähig gemacht habe, sei Berlusconi. Alle, die nicht denken und stimmen wie er, bezeichnet er als coglioni, Schlappschwänze. Da ist weichsinnig geradezu ein höflicher Ausdruck. Man vergesse leicht, meint Augias, welch ein zerstörerisches Potenzial im vulgären politischen Sprachgebrauch liege.

Der Po ein Spiegel Italiens

Für den Regisseur Ermanno Olmi war der Po in seiner Kindheit schön wie der blaue Himmel. Man konnte sein Wasser trinken. «Ora è degradato e pieno di veleni», heruntergekommen und voll von Giften. Dieser nunmehr entwürdigte Fluss korrespondiere der allgemeinen Vergiftung der Gesellschaft. Er widerspiegle den zivilen und moralischen Niedergang des Landes, die Scheusslichkeiten, die die Italiener täglich konsumieren würden.

Der Papst und die Kirche

Auch «La Repubblica» titelt: «I prostestanti non sono Chiesa». Es fehlt nur noch der alte Refrain: «Extra ecclesiam salus non est.» In der Schweiz empören sich Christen aller Konfessionen über die Überheblichkeit des Papstes. Die Überheblichkeit schafft Tragödien. «Ich wurde abgesetzt, weil ich schwul bin», so der Priester Karl Bürgler, der in Buochs sehr beliebt war, vielleicht hat ihn seine Liebe menschlich gemacht.

Jesuitenpater tritt aus Orden aus

Jesuitenpater Lukas Niederberger ist aus dem Orden ausgetreten. Als Grund nannte er eine Frau und den Rechtsrutsch in der Kirche. Die Rechten würden ihre Ziele fast inquisitorisch verfolgen. Es ist besser, sage ich, eine Frau zu lieben als den unbekannten Gott, der nur Antworten gibt, die man sich selber über den himmlischen Umweg geben muss.

Anträge statt Fragen

Zu Christoph Blochers Führungsgrundsätzen gehöre, dass die Mitarbeiter keine Fragen, sondern Anträge stellen sollten. Mit dieser Methode erreiche man eine effiziente Führung. Was machen kluge Angestellte? Sie überlegen und antizipieren, was der oberste Chef hören möchte und schlagen vor, was ihm vorschwebt. Es entstehen keine unnützen Diskussionen.

Ausschaffungsinitiative

Schon unglaublich, der eidgenössische Justizdirektor hat keine differenzierte Meinung zur fragwürdigen Ausschaffungsinitiative. Zuerst der Wahlkampf, dann das Volk, am Ende der Rechtsstaat und am Schwanz das Völkerrecht, auf das andere hinweisen müssen. Politik als «Hau den Lukas!»

Die FDP und das «Klimaproblem»

Saubere Energie, Atomkraft! Schon vor fünfzehn Jahren hätte die FDP eine Pionierrolle im Umweltschutz spielen können. Wer für ökologische Vernunft plädierte, wurde belächelt. Bundesrat Kaspar Villiger meinte einmal, in der Politik gebe es kaum Visionen, er selbst trete nicht mit Visionen sein Amt an. So ist es. Die Politik reagiert. Visionen entstehen an den Rändern. Politik ist das Ergebnis von Druck, der vom Rand her in die Masse wuchert.

Taktik

Die Parteien sollten die Taktik der SVP anwenden. Bundesrat Christoph Blocher, das medienwirksamste Streitross der Partei, bagatellisiert den Klimawandel. Flugs darauf verlangen Motionen seiner Fraktion freie Fahrt fürs Auto und Kürzungen bei den Bahnen.

Obwaldens Finanzdirektor

Hans Wallimann nahm das Verdikt des Bundesgerichts mit Gelassenheit entgegen, reagierte mit Respekt gegenüber dem höchsten Gericht. Die Sieger jubelten. Andere attackierten das Bundesgericht wie schon beim Einbürgerungsentscheid. Berlusconi attackierte, wenn ihm ein Richterspruch nicht passte, die dritte Gewalt. Die Obwaldner Regierung verdient dafür ihrerseits Respekt. Der Rechtsstaat steht über den politischen Interessen und Emotionen. Wo stehen Italiens Institutionen heute? Mehr als 70% der befragten Italiener haben das Vertrauen in sie verloren.

Formel 1 im Wallis

Schon toll, unser Parlament diskutierte vier Stunden, ob Formel 1 Rennen in der Schweiz zugelassen werden sollen und beschenkte sich selber mit einem Mehrheits-Ja. Ulrich Giezendanner, SVP-Nationalrat und Initiant, trifft sich mit potenziellen Investoren. Lärmidioten muss das Ja Freude bereiten. Oben auf dem Matterhorn wird man weder Gestank noch Lärm hören. Aber vielleicht taut der Permafrost.

Die NZZ spottet

Dass die Bundes- und die Nationalratspräsidentin «Frauenpower auf dem Rütli inszenieren» möchten, «musste die SVP in ihrem politischen Kerngeschäft auf den Plan rufen». Also doch keine nur Kuhdreckwiese! Was sollte man dagegen sagen, wenn die SVP demnächst wieder eine Parteiversammlung auf dem Aelggi durchführt. Nach massgebenden Geographen ist diese Alp das Zentrum der Schweiz.

Auf dem «Weg der Schweiz»

Ludwig Marcuse schreibt: «Die Hämischen sind die Hässlichsten unter allen Menschen.» Nein, es ist nicht hämisch gemeint, das Rütli sei eine Wiese mit Kuhfladen. Das ist purer Realismus. Der «Weg der Schweiz» führt über diese Wiese.

Wiese mit Kuhdreck

Ueli Maurer spottet. Das Rütli, Eigentum der Schweizer Jugend, sei eine Wiese mit Kuhdreck. Er hat wohl Recht. Kühe und Kälber weiden dort auch. Christoph Blocher nimmt seinen Parteipräsidenten in Schutz. Ja, es sei doch eine Wiese mit Kuhdreck. General Guisan hielt den Rütlirapport auf dieser Kuhdreckwiese ab. Hoffentlich sind die hohen Offiziere nicht in warme Kuhfladen getreten. Schönes Land das Schweizerland! Dachte immer, die SVP denke patriotisch.

Empörung über Plakataktion

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund wirbt für ein Nein zur IV-Revision. Auf Plakaten und Postkarten bildet er drei behinderte Bundesräte ab. Es sind Fotomontagen. Man kann sagen: «Das geht zu weit.» Immerhin machen sie auf das aufmerksam, was gerne übersehen und ausgeblendet wird.
Die Frage, die sich aufdrängt, heisst schlicht: Wer hat mit solch starken Auftritten angefangen? Es brauche eine immer stärkere Dosis an Emotionen, um Aufmerksamkeit zu erregen, behaupten die Werbefachleute. Mit sachlichen Argumenten komme man dem Volk nicht bei. Die Kampagne des SGB weckt Emotionen und löst heftige Diskussionen aus. Wer wird die Dosis erhöhen, ihr ein Gift beimischen, wenn es um finanzielle Interessen und um Wahlerfolge geht?

Einbürgerungsinitiative

Die SVP Einbürgerungsinitiative wurde in der nationalrätlichen Kommission knapp gut geheissen. Es soll nun wieder möglich sein, ohne Begründung Kandidaten den roten Pass zu verweigern. Der Willkür soll die Türe aufgestossen werden. Damit ist ein rechtsstaatliches Prinzip verletzt, denn ein Einbürgerungsentscheid muss, wenn er willkürlich ist, rechtlich angefochten werden können, wie das bei anderen Verwaltungsentscheiden selbstverständlich ist. Das Bundesgericht hat mit Recht darauf hingewiesen, dass eine Ablehnung des Gesuchs begründet werden müsse. Bei diesem unverständlichen Beschluss der Kommission haben leider auch die freisinnigen Nationalräte Philippo Leutenegger, Philippe Müller und Edi Engelberger mitgewirkt. Das ist für einen freisinnig denkenden Menschen unverständlich. Der Entscheid ist vielleicht wahlpolitisch motiviert. Aber er muss vom Nationalrat korrigiert werden. Ohne eine solche Korrektur würde ich endgültig am Freisinn zweifeln.

Auf unsere Kosten wie Kaninchen vermehren

Weder Christoph Blocher noch Samuel Schmid sind dem Tessiner Regierungsrats Kandidaten der SVP, Eros Mellini, entgegengetreten, als dieser an der Delegiertenversammlung in die Runde rief, die Ausländer würden sich «auf unsere Kosten in der Schweiz wie Kaninchen vermehren». Stattdessen tobt tosender Applaus! Kein Wunder, Maurer heizt die Stimmung an und macht solche menschenverachtenden Sprüche salonfähig. Bei solch stockenden Gedanken müsste die Seele explodieren und schreien: «Denkt darüber nach, was ihr sagt!» Da nistet sich wieder ein Spruch ein, der die Seele verdirbt. Niemand fühlt sich berufen, Ausdrücken dieser Art zu widersprechen. Wo sind die Bischöfe? Wo ist das moralische Establishment? Wer liquidiert solche zu fixen Ideen werdenden Unworte? Wer beteiligt sich an der Verflüssigung der harten Worte, die die Realität mit Dreck zudecken? Hat das Wort von den Schurkenstaaten und der Achse des Bösen nicht genug Elend in die Welt gesetzt? Auch bei uns suchen Iraker nach Asyl.

Gläubige sollen lateinisch beten

Benedikt XVI. ist ein Papst, der in der Vergangenheit die Zukunft sieht. Geschiedene Katholiken dürften keine Kommunion erhalten, der priesterliche Zölibat sei unverzichtbar. Zugleich entfesselt der Papst gegen die Regierung Prodi, die gleichgeschlechtlichen Paaren einen zivilrechtlichen Schutz geben möchte, einen Sturm der Entrüstung. Die Polemik in den italienischen Medien dauert an. So werde die Familie zerstört. Sie aber sei der Hort der menschlichen Fortpflanzung. Dazu könnten Priester doch auch einen Beitrag leisten. Und nun sollen wir noch lateinisch beten. Der Papst betreibt ein Glasperlenspiel. Wie weit weg vom Volk will er die Kirche führen?

Siehe NLZ vom 14. März 2007

Fremdes Geld ausgeben

Ich verliess gerade das Café de Ville in Luzern, als zwei Herren, nach meiner Einschätzung Geschäftsleute, über die Treppe hoch kamen. Der eine sagte zum andern erbost: «Diese Fritze von Pro …, die fremdes Geld verteilen, sind doch …». Im raschen Vorübergehen konnte ich nicht genau vernehmen, um was es sich genau handelte. Aber eben um Fritze, die fremdes Geld verteilen. Ich überlegte mir: «Geben Geschäftsleute, die viele Angestellte für sich arbeiten lassen, nicht auch fremdes Geld aus? Und wie ist es mit den hohen Salären von Managern und den unglaublichen Börsengewinnen? Was ist eigenes Geld?»

Kulturpolitik

Die SVP verabschiedete ein Positionspapier zur Kulturpolitik und prangert darin den linken Filz in den Vergabegremien der Filmförderung an. Die SP plustert sich als Kulturpartei auf und verlangt mehr staatliche Unterstützung. Beide Parteien meinen: Kultur müsse nützlich sein. Sie habe dem Land zu dienen. Sie begründen ihre Position unterschiedlich. Urs Widmer sagte einmal: «Dichter sind wie Regenwürmer, sie lockern das Plattgedrückte auf.» Welche Partei lockert nun das Plattgedrückte besser auf? Oder sind alle, die das Plattgedrückte auflockern, Linke? Kultur soll nicht instrumentalisiert werden, vielmehr soll sie gesellschaftlichen Humus bilden und Biotope möglich machen.
Mein nächste Kolumne trägt den Titel: «Dichter sind wie Regenwürmer» und befasst sich mit Kulturpolitik.

Belpaese und Bonsai

«La Republicca» bringt regelmässig kleine Pfefferkörner unter dem Titel «Belpaese» und «Bonsai». In Belpaese glossiert die Zeitung Ereignisse, die Italiener, meistens Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, charakterisieren. Da wird gestichelt und mit leiser Ironie auf Widersprüchlichkeiten und Eitelkeiten hingewiesen. In «Bonsai» wird ein Zwergbäumchen zu einer Eiche, eine Mücke zu einem Elefanten, ein Wicht zu einem Held. Parteiengezänk charakterisiert auch bei uns das schöne Land, Belpaese, wie das Beispiel der Kulturpolitik zeigt.

Dank SonntagsBlick von 28. Januar

Noch eine schöne Meldung, die zu denken gibt: «Bühlmann sagte, er sei in Geschäfte mit dunklen Typen geraten und brauche Geld.» So die Aussage des Mannes, der dem Luzerner Finanzdirektor Geld geliehen hat und ihn dann betreiben musste, weil Bühlmann stumm blieb, als er ihm anrief, SMS schickte und per Fax drohte, er werde ihn betreiben. Das gibt mir in der Affäre mehr zu denken, als die Betreibung selbst. Dunkle Typen! Wer können sie sein? Mit welchen dunklen Typen gibt sich da der Finanzdirektor ab und macht Schulden?

Politischer Klatsch

Es ist doch gut, dass uns der «SonntagsBlick» berichtet, dass beim «Ospeli», einem Vorfasnachtsevent in Basel 350 Besucher von Marcel Ospel begrüsst werden konnten, darunter auch Christoph und Silvia Blocher. Ich habe schon vor Cortis Aussagen gedacht, die Banken hätten die Swissair vor dem Untergang retten können. Sie scheffeln doch Milliarden an Reserven auf die hohe Kante. Nun erweist offenbar auch die hohe Politik dem CEO der UBS die Ehre. Sollen uns ja nicht immer vom Filz der Andern reden!

Dichter sind wie Regenwürmer

(Tages-Anzeiger vom 30. Januar 2007)

Genauer sagte Urs Widmer in Frankfurt am Main, Dichter seien für die Sprachform, was die Regenwürmer für den Boden: Sie lockern das Plattgedrückte. Das ist ein Trost für alle diejenigen unter den Erzählern und Intellektuellen, die Politiker gerne als Schöngeister abtun und damit sagen wollen, sie seien bedeutungslos. Schon oft aber haben sie den Boden unter den Plattgedrückten gelockert.

Beim Herumsurfen auf der SVP Homepage

Seht her, wie die Linken unser Land zerstören. Wer bei den Wahlen im Oktober Rot/Grün wählt, beschleunigt den Niedergang der Schweiz.

Diese Aussagen sind mit einigen Aktivitäten von Linksextremen recht dürftig begründet. Wir könnten dagegen die Frage stellen: Wollen wir eine rechtsextreme Rütliradaugesellschaft? Aber was soll diese gegenseitige Aufrechnung, wenn es um die Zukunft der Schweiz in einer weiten Welt geht? Die SVP rechnet offenbar mit der Dummheit der Wählerinnen und Wähler und meint: geht es aufwärts mit der Schweiz, sind wir es, geht es abwärts, sind es die andern!

Freisinn aus den Fugen

Dass an einem Parteitag die Freisinnige Führung nicht fähig ist, dem Parteivolk zu erklären, dass die Abschaffung der direkten Bundessteuer den sozialen Graben im Land vergrössert und die Ideale des Freisinns grob verletzt, enttäuscht mich sehr. So gerät diese (noch immer meine) Partei ausser Rand und Band. Man muss sich dann fragen, ob man noch zu den fünf Prozent Wähler gehört, die von der Abschaffung der direkten Bundessteuer profitieren. Ich würde dann allerdings nicht mehr zu den fünf Prozent gehören.

Plebiszit für Blocher

Christoph Blocher wird mit Sicherheit nach den Wahlen wieder in den Bundesrat gewählt. Die SVP aber schürt Ungewissheit. Damit lässt sich taktisch spielen. Die Wahl im Herbst wird zu einer Pro- oder Kontrakwahl von Blocher hochstilisiert. Blocher ist für die SVP das beste Streitross und Zugpferd. Allmählich aber könnten die Wählerinnen und Wähler diesen taktischen Trick durchschauen. Was geschieht, wenn das Spiel von der hypothetischen Nicht-Wahl von Christoph Blocher von den Stimmenden durchschaut wird und die künstlich geschürte Empörung abklingt?

Wahlprogramm der SVP

Mir kommt das neue Wahlprogramm der SVP wie ein Migros Einkaufszentrum vor: Im Innern des Raumes künstliches Licht, keine Fenster, keine frische Luft und auf dem Gestellen ein Warenangebot, das die Schweizerinnen und Schweizer dick macht, dazu im variablen, für Ausstellungen und Aktionen vorgesehen, Terrain ein Geissbock mit Zotteln. Ein schönes Tier, fürwahr, aber es stinkt.