Die Diminutive des grossen Blocher

«Christöffli» schimpfte am Parteitag in Rotenthurm über die Professörli und Ämtchenträger. Sie würden die Classe politique wegen den bilateralen Verträglein ins Bockshorn jagen und die Unabhängigkeit opfern, siehe NZZ vom 27. Oktober 2014. Meine Anmerkung: Tosender Applaus von 500 SVP-Parteigängerlein und von Tonnilein aus dem St. Gallischen und Peterlein aus dem Muotathal.
Peterlein habe in seinem Referat über die EMRK (Europäische Menschenrechtskonvention) für die EMRK nur Ausdrücke des Abschätzigen übrig gehabt. Man solle die unliebsamen Staatsverträge möglichst bald kündigen. (Er ziehe sich dann ins Muotathal zurück, füge ich bei). Muss es dem Juristen Blocher und ehemaligen Justizdepartements-Chef nicht kalt über den Rücken gelaufen sein, als er seinen Zauberlehrling hörte?
Kein Aufschrei im Land. Man gewöhnt sich langsam an die Rüpel. Wie heisst Sloterdijks neues Buch? «Die schrecklichen Kinder der Neuzeit».

Die untragbare Komplexität der Vereinfachung

Nichts ist komplexer als die Vereinfachung. Dies stellt man bei jeder Kampagne über eine Volksinitiative fest. Oft wird dabei eine Reduktion auf ein emotionales Schlagwort oder eine Schuldzuweisung vorgenommen. Die EU eignet sich dafür vorzüglich, aber auch der Bundesrat. Vox Analyse: Die Ja-Stimmenden zur Einwanderungsinitiative nahmen die Kündigung der bilateralen Verträge bewusst in Kauf. Damit zielt die Initiative von einem hausgemachten Problem auf einen Sündenbock, auf die Personenfreizügigkeitslösung. Wie komplex die Umsetzung ist, zeigt sich in Fällen wie der Abzocker-, der Zweitwohnungs-, der Ausschaffungs-, der Alpen- und der Masseneinwanderungsinitiative. Der Bundesrat hat die Folgen bedacht, die Initianten haben sie bagatellisiert.