Proteus

Geld anhäufen ist Ersatztranszendenz und huldigt dem griechischen Gott Proteus, der sich in alle Gestalten verwandeln kann.

Lautstärke

Sie geben sich erschüttert, dass es der UBS schlechter geht als angenommen. Aber gegen den Systemfehler der Bonifikationen haben sie die Stimme nicht erhoben oder sie klang sehr leise.

Spekulation

Mehr Freiheit – weniger Staat, jetzt zwingt die deregulierte Freiheit den Slogan umzukehren: Mehr Staat – weniger Spekulation.

Das schlechte gute Gewissen

In Theodor Fontanes Roman «Cécile» heisst es: «Ich sprach von seinem bösen Gewissen und mit Recht. Denn das, was wir ein böses Gewissen nennen, ist ja immer ein gutes. Es ist das Gute, was sich in uns erhebt und uns bei uns selber verklagt.» Machtmenschen haben ein gutes Gewissen. Robert Mugabe hat das seine mit Gott gleichgeschaltet.

Atei devoti

In Italien schmeicheln unterwürfige Politiker dem Papst und den Kardinälen. Es sind unterwürfige Atheisten oder verwirrte Menschen wie Berlusconi, die andächtig in der Kirche knien und nicht verstehen können, dass sie von der Kommunion ausgeschlossen sein sollen, weil sie in erster Ehe geschieden sind.

Religion und Macht

Im St. Galler Tagblatt vom 28. Juni 2008 wird Robert Mugabe zitiert: «Nur Gott kann mich aus dem Amt entfernen… und: Ist es denn meine Schuld, dass ich zu gross bin für andere? Soll ich Gott den Allmächtigen bitten, mich ein bisschen kleiner zu machen?» Die Religion schadet guten Menschen nicht, sie macht schlechte Menschen schlechter. George W. Bush bemerkte einmal, er trage Gott auf seinen Schultern.

Jesus von Nazareth

Benedikt XVI. alias Joseph Ratzinger hat ein Buch geschrieben über «Jesus von Nazareth». Die Ergebnisse der historisch-kritischen Geschichtsforschung wendet er nur selektiv an. Er akzeptiert im Grunde die moderne Jesusforschung nicht. Das führt zu einer Christologie von oben. Das Buch dürfte nicht den Titel: «Jesus von Nazareth» tragen, sondern müsste «Jesus Christus» heissen. Schon die Evangelien waren Theologie. Die nicht genehmen (Judas und Thomas Evangelium) hatten die Aufnahme in den Kanon der römisch-katholischen Kirche nie geschafft. Wie also soll man Ratzingers Buch lesen?

Gealterte Hoffnung

Der grosse Literaturgelehrte und Schriftsteller Hans Mayer prägte in einem Interview das Wort «gealterte Hoffnung». Ein Blick Richtung dem Rom von Benedikt XVI. lässt meine katholische Hoffnung alt werden. Aber angesichts der konservativen Bewegung altert auch meine Hoffnung auf eine offene und liberale Schweiz.

Die Meinung kundtun

Oft wird gesagt, ein Politiker, der zurückgetreten sei, soll besser schweigen. Das ist ein gutgemeinter Ratschlag. Aber auch nach seiner Demission bleibt er mit Sicherheit ein engagierter Staatsbürger. Es gibt Vorfälle, die die Selbstachtung verletzen. Sie kann oft nur durch ein treffendes öffentliches Wort geheilt werden.

Leserbrief

Du schreibst einen Leserbrief und erhältst anschliessend anonyme Zuschriften. Dahinter zeigt sich kein Gesicht, es verrät sich kein Name. Soviel Zivilcourage müsste einer doch aufbringen, zumal ich als Leserbriefschreiber nicht beisse.

Entschuldigung

Der Mailänder Kardinal Dionigi Tettamanzi bittet Geschiedene, Getrennte und wieder in Gemeinschaft lebende Katholiken um Entschuldigung. Sie hätten von Seiten Religiöser eine Verurteilung ohne Barmherzigkeit zu ertragen (un giudizio senza misericordia). Die Kirche hat sie vom Empfang von Sakramenten und kirchlichen Segnungen ausgeschlossen. (La Repubblica 21. Januar 2008). Eine Entschuldigung und Einsicht, die für viele zu spät kommt.

Söldner

Die privaten Söldnertruppen, die als private Kriegsherren im Irak und in Afrika töten und dabei viel Geld verdienen, bilden den Extremfall gesetzloser Freiheit. An den Extremen erkennt man den hinter einer Sache waltenden Geist. Wo der Rechtsstaat schwach ist, herrscht das Gesetz des Dschungels.

Killerinstinkt

Toni Brunner habe einen Killerinstinkt. Soldaten im Irak kämpfen mit Killerinstinkt. Schön zu beobachten, wie Journalisten und Politiker, die so reden, das Gefühl für die Sprache verloren haben.

Immobilienkrise

Die Immobilienkrise (mit Milliarden Verlusten auch der UBS) beweist einmal mehr, dass der Drang nach Grösse Wahnsinn ist und viele Kleine in den Abgrund reisst.