Carl Rütti – Zum 70. Geburtstag

Der 70. Geburtstag ist der schönste, den wir feiern können. Der Mensch ist seiner fremdbestimmten Arbeit enthoben. Er schaut zurück auf sein Lebenswerk und hat noch einige schöne Jahre der Hoffnung vor sich. Er weiss sich in Distanz zu dem, was er geschaffen hat und darf noch weiter sein Leben gestalten. Ein grosser Künstler oder Musiker wie Carl Rütti darf mit Stolz zurückschauen und zugleich mit Freude in die Zukunft blicken. In dieser Koinzidenz von Vergangenheit und Zukunft kristallisiert sich für Carl heute, bei der Geburtstagsfeier, ein wunderbarer Höhepunkt heraus, den wir alle hier mit grossem Staunen und mit Freude geniessen.

Carl Rütti lebte 35 Jahre in Unterägeri und hat dem Tal durch seine Musik viel gegeben. Ich traf ihn jeweils bei der Bushaltestelle «Innere Spinnerei», wenn er zur Arbeit ging. Sofort war ich aufgehoben in seiner wohlwollenden Art. Er spielte nie den Meister. Immer diskutierten wir über Dinge, die wir gerade taten. Diese feinen Gespräche mit dem gegenseitigen Respekt schätzte ich sehr. Zwei Mal in meinem Leben kam es zu einem besonderen Höhepunkt, bei dem ich eng mit Carl zusammen arbeiten durfte, davon berichte ich am Schluss kurz.

Ich bin in musikalischen Fragen ein Dilettant. Deshalb werde ich nicht mit einer ausholenden Rede über das Werk von Carl Rütti sprechen. Das wäre wohl eine Anmassung. Es bleibt mir also, ihn heute mit einem Blick auf einige besondere Erlebnisse zu würdigen. Ich frage mich vorab, was habe ich beim Hören seiner Werke empfunden?

Ich erinnere mich an das Konzert in der Pfarrkirche von Oberägeri. Gegeben wurde die Sinfonie «Die Visionen des Niklaus von Flüe». Der Komponist hat sie als Sinfonie geschrieben, dreiteilig für eine konzertante Orgel, für Solo-Sopran, Streichorchester und Perkussion. Die drei Visionen des Einsiedlers: «Der Pilger vom Sonnenaufgang, das Zelt und der Brunnen» dienten dem Komponisten als Vorlage. Mich packte, fesselte, ja begeisterte die Aufführung. Und bei mir geschah etwas, das ich heute nur noch mit einem Vergleich zu schildern vermag.

Ich sitze in der Pfarrkirche von Oberägeri. Die Geräusche verstummen, die Erwartung steigt. Ganz leise schleichen sich die ersten Töne in den Raum. Die Musik schildert den Pilger, der «vom Sonnenaufgang» kommt und gegenüber dem Visionär im Ranft ein Alleluia singt. Im Text der Vision steht: «Das Erdreich und alles zwischen Himmel und Erde stimmt in seinen Gesang ein, wie die kleinen Orgeln mit den grossen zusammenspielen.» Welche Aufgabe für den Komponisten: Orchester, Solo-Sopranistin, Orgel und das Schlagzeug ins Spiel zu bringen. Themen werden angedeutet. Die Bilder werden bunter. Die Musik tastet sich voran. Sie wird lauter, stärker. Der erste Satz schwingt sich in die Höhe. Alle Mittel, die dem Komponisten zur Verfügung stehen, werden eingesetzt. Die Streichinstrumente vermischen sich mit der Orgel und endlich mit der Stimme der Sängerin, gestützt von den Trommeln und dem klingend Arsenal des Percussionisten.

Und jetzt geschieht das Wunderbare. Ich spüre plötzlich die zierliche Kirche von Oberägeri nicht mehr. Ich trete aus dem äusseren realen Raum der Kirche hinaus. Ein innerer tut sich auf. Ich tauche in die Musik ein, die sich zu einer musikalischen Kathedrale aufbaut. Was auf mich einstürmt im dramatischen und lieblichen Wechsel der Sätze dehnt den Raum, steigt hinauf in die hohe Kuppel über der Vierung und bricht in den Echoraum der Seitenschiffe ein, wird zu einem feierlichen Hymnus, zu einem Tanz mit den Engeln, zu einem Jubel in der Kuppel, in die sich die Stimme der Sopranistin schwindelerregend hinaufschwingt. Getragen vom Orchester und einer mächtig brausenden Orgel. Dann wieder befindet sich der Klang wie in den lieblichen Seitenkapellen der Kathedrale und senkt sich auf die Klause im Ranft, die in der Vision als Zelt und Brunnen erscheint. Mir fällt die mächtige Basilika Santa Marie degli Angeli südlich von Assisi ein. Unter der Kuppel steht das kleine Kirchlein, an dem der heilige Franz gebaut haben soll. Die Basilika nimmt es in sich auf, gemeindet es sozusagen ein. Franz wird ein Heiliger. Ähnlich, scheint mir, baut Carl Rütti in seine Sinfonie über dem Ranft eine musikalische Kathedrale oder Basilika auf und gemeindet den Einsiedler ein in sein ästhetisch, geistiges und mystisches Werk.

Rütti kostet alles aus, was die Bildvisionen hergeben, die Landschaft, den «Leib voller liebreicher Demut», den «Sturz des Pilatusberges», den «Brunnen, der fliesst und singt.» Es ist wie in der barocken Welt, wo Engel, Heilige, Bildtafeln und Altarbilder gegenwärtig sind. Der Komponist leistet sich auch einige Spässe, als ob der neugierige Klang in ein Beichthäuschen eindringt, das vergebens auf Bekennende wartet.
Im gewaltigen Schlusssatz des Amen, der mit einem leisen Klang beginnt, sich zu einem grossen fortbewegt, bis er im Fortissimo nochmals die Kuppel der musikalischen Kathedrale erreicht, in der sich der Gesang der Sängerin, die Orgel, das Orchester und der Perkussionist ausleben und den staunenden Besucher zutiefst mit Eindrücken erfüllen.

Ich kann, was ich erlebte, nur mit einem Vergleich vergegenwärtigen. Das geschieht auch, wenn ich dem Orgelspiel von Carl Rütti lausche. Immer schafft seine Musik neue Räume, sie übersteigt auf wunderbare Weise die Mauern und breitet sich im Inneren aus, das in dem Augenblick grösser wird als der reale Raum. Ich erlebe auch bei Konzerten in Sälen, wie sich mein innerer Raum von dem wirklichen trennt. Ich könnte in meinem Jubel weiterfahren, bis Sie mir zurufen: Halt! Wir haben verstanden, was Sie uns mitteilen wollen. Ausweichend frage ich nur noch: «Haben Sie die CD, die das Meisterstück wiedergibt, das Carl Rütti für eine Brassband für das Jazz-Musik-Festival in Montreux komponierte, schon gehört? Es ist ein Stück für die höchste Klasse, das nur eine Formation der Europastufe zu spielen vermag. Das Thema «Windtänze – der Baumwind, der Seewind und der Feuertanz» bieten dem Komponisten den Stoff für eine grossartige rauschhafte Musik.

Zum Schluss komme ich zurück auf die zwei oben erwähnten Höhepunkte, die ich mit Carl Rütti erlebt habe. Er erhielt vom A-Capella-Chor «molto cantabile» in Luzern den Auftrag, die Rede des Indianerhäuptlings Seattle zu vertonen. Gegen des Häuptlings Vorwürfe, dass seinem Volk der Lebensraum geraubt werde, erhebt der moderne, vom Wachstum getriebene Mensch, Widerspruch. Und diese Texte sollte ich in freien Rhythmen den Worten des Häuptlings entgegensetzen. Carl schrieb das Werk «Seattle`s Prophecy», das im KKL uraufgeführt wurde. Bei dieser Zusammenarbeit erfuhr ich, wie Carl seine Musik vom Wort her denkt und wie er deshalb auf jedes Wort, auch in meinen Texten mitdenkend, einging. Diese Zusammenarbeit war für mich ein grosses Geschenk.

Als ich an der Laudatio zum Zuger Anerkennungspreis 2005 schrieb, lernte ich den vielseitigen Musiker besser kennen. Ich entdeckte, wie feinfühlig Carl Rütti alle Facetten seiner Kunst für die lyrischen, mystischen und dramatischen Szenen einsetzte. Er geht von den Dingen aus, vom Wort und von seinen täglichen Beobachtungen. Von seiner Einfühlsamkeit mag zum Schluss ein kleines Erlebnis berichten. Bilder sind oft eindrücklicher als grosse Worte. Als Schüler habe er in seinem Zimmer Geige geübt. Da sei jeweils eine Amsel an sein Fenster gekommen, habe den Kopf ein wenig gedreht, damit sie mit beiden Ohren seinem Spiel habe lauschen können. Diese Amsel und auch weitere Singvögel singen seither in musikalischer Übersetzung in vielen Stücken von Rütti weiter. Die Amsel wird zur Metapher für die feine Achtsamkeit des Musikers und Menschen Carl Rütti.
Damit bin ich nun an dem Punkt angelangt, bei dem eine vertiefte Laudatio erst beginnen könnte.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und gratuliere Carl zu seinem 70. Geburtstag

Andreas Iten

Leserbrief zum Gastbeitrag von Carl Bossard: «Digital first! Reflexion second»

(Neue Luzerner Zeitung 9. März 2018)

Carl Bossard bestreitet, dass Computerprogramme im Bildungsbereich positive Effekte hervorrufen. Er begründet dies durch seine Erfahrung und durch Untersuchungen. «Es konnte noch keine empirische Studie nachweisen, dass der frühzeitige Einsatz elektronischer Medien positive Effekte hätte.» Das macht mich stutzig, aber ich verstehe es. Das Internet ist ein Hilfsmittel, das jemandem nützt, der weiss, was er sucht. Dafür braucht es Bildung. Sie entsteht durch die Eltern, durch Lehrerinnen und Lehrer und durch eigene Anstrengungen. Sie wird, wie Bossard schreibt, in den Anfängen im analogen Dialog erworben. Bildschirme, das wissen wir vom Fernsehen, bieten keine Erlebnisse, die nachhaltig wirken. Sie ent-sinnlichen die Wahrnehmung und beschleunigen das Vergessen. Das hat zur Folge, dass zwar Wissen herumschwirrt, aber es bildet sich keine echte Anschauung. Anschauung hat mit den Sinnen des Menschen zu tun. Bildung, wie sie Bossard versteht, ist mehr als Wissen. Bildung bietet die Möglichkeit, im Leben die richtigen Fragen zu stellen. Wer nicht genau weiss, was er beantwortet haben möchte, surft stundenlang vergebens im Netz. Der digitale Unterricht kann also erst Gewinn abwerfen, wenn Bildung vorhanden ist. Die Folgerung von Carl Bossard: Wir sollten uns weniger mit dem apparativen Unterricht als vielmehr mit der Entfaltung der Anschauungskraft befassen. Sie entfaltet sich nicht an einer vom Natürlichen abstrahierten Welt, mögen die Bildchen im Netz noch so schön sein!

Zerstörung von Institutionen

Gewisse Kreise scheinen eine grosse Lust zu haben, gut funktionierende Institutionen und hart erarbeitete Verträge zu zerstören, um eine Kampfzone für die Grossfinanz zu schaffen. So bei der No-Billag-Initiative und der Kündigung der Bilateralen Verträge mit der EU. Bei No-Billag ist es Mode geworden, die SRG zu beschimpfen, sie sei viel zu gross, zu aggressiv und die Führungsspitze sei abgehoben. Warum aber wollen sie dem Schweizer Radio-und Fernsehen die Existenzgrundlage entziehen, wenn es nachher nichts mehr zu korrigieren und zu verkleinern gibt? Das widerspricht jeder vernünftigen Logik. Mit dem Argument der überflüssigen Vielfalt könnte man jede Zeitung abbestellen. Ich bezahle für ein abonniertes Blatt 679 und für das zweite 458 Franken pro Jahr. Meine Lesezeit aber ist beschränkt. Sodass ich nur lese, was mir lesenswert erscheint. Mehr als Dreiviertel geht ungelesen zum Altpapier.
Die SRG-Medien fördern das Gespräch unter den Menschen. Was gäbe es zu schimpfen oder zu loben, wenn jeder nur noch ein Zahlabonnement hätte? Er müsste jenen suchen, der für das Gleiche bezahlt. Damit wird die Gesellschaft noch mehr zerstückelt. Ich höre auch immer wieder Leute über Dinge reden, die ich bei der SRG auch gehört und gesehen habe. Das stiftet die berühmte Kommunikation unter den Bürgern und hält das Volk zusammen.

Eine anonyme Karte

In meinem Briefkasten lag eine Karte. Ich freute mich, endlich wieder einen kurzen Gruss lesen zu dürfen. Ich trug die Karte mit den Zeitungen und einigen Bettelbriefen in die Wohnung. Genüsslich blickte ich auf das Kartenbild. Wer hatte mir wohl geschrieben? Ich drehte die Karte um und sah, dass sie nicht unterschrieben war. «Es ist extrem penetrant und unverständlich, wie Sie als alter, vermutlich vergrämter Politiker kuriose Briefe schreiben», las ich da. Aha, so ist das! Da möchte mir jemand das Schreiben verbieten. Ich lachte ein wenig. Ich bin weder vergrämt, noch kurios. Ja ich hatte mir erlaubt, einen Leserbrief zur Aussage einer Nationalrätin zu schreiben. Sie bot an, als Bundesrätin zu kandidieren, wenn ein «Notfall» eintrete. Was konnte so ein Notfall sein?, überlegte ich mir. Ich fand schliesslich vier mögliche Gründe. Ein Notfall wäre, wenn die Partei keinen geeigneten Kandidaten finden oder das Land an die EU verschachert würde. Ich will sie nicht alle aufzählen. Vielmehr befiel mich plötzlich der kriminalistische Spürsinn. Die Schrift schien mir bekannt. Den anonymen Schreiber oder die Schreiberin ausfindig zu machen, ist freilich, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen zu suchen. Die Schrift war fein und klein. So tippte ich auf eine Frau. Dann las ich weiter. «Als 81 jähriger seit zehn Jahren amtsloser Pseudo-FDP-Politiker sollten Sie (immerhin in Höflichkeitsform) langsam aber sicher die Meinungsbildung uns Jungen überlassen.» Oh, ich darf keine eigene Meinung äussern! Wir Alten sind passé! Aussondern soll man sie! Dann folgte der wunderbare Schlusssatz: «Irgendwie hat man den Eindruck, es schwinge Neid und Missgunst gegen andere Partei-Personen mit.» Immerhin ein schöner Konjunktiv. Also dumm konnte der Schreiber nicht sein.
Na so was!, sagte ich mir. Neid! Wie das? Habe ich nicht ein erfülltes Leben? Mir ist doch Vieles geschenkt worden. Karriere habe ich auch gemacht. Bin sehr froh, dass ich unter den heutigen Umständen «amtlos» bin. Es gibt andere, die sind mit bald achtzig noch immer die Altmeister im politischen Taktschwingen. Ich bin ja bloss eine Leserbriefschreiber, den gelegentlich die Lust ankommt, sich ein wenig einzumischen. Wenn sich darüber jemand aufregt, habe ich mein Ziel erreicht. Dann weiss ich, dass ich ins Schwarze getroffen habe. Immer wieder sprechen mich Leute an und fragen, wann ich wieder für die schreiben würde?
Dass es in der Parteienwelt ein Auf und Ab gibt, sieht ja jeder. Geld zu scheffeln liegt mir nicht. Dafür habe ich keine Zeit. Ich beschäftige mich mit Lesen und dummerweise für den anonymen Kritiker fällt mir das Schreiben nicht schwer. Es macht mir Spass. Es gehört zu mir, wie das Mausen zur Katze. Und wenn jemand sich im Notfall als unverzichtbar sieht, dann reizt es mich, eine Glosse zu schreiben.
Soweit so gut, aber wer konnte mir geschrieben haben. Kenne ich die Schrift? Ähnliche Schriftzüge haben auch andere, die mir Briefe geschrieben haben, nicht anonym versteht sich, sonst hätte sie der Papierkorb verschluckt. So sicher in der Kommasetzung war der Brief nicht abgefasst. Eigentlich, dachte ich, es sei der Mühe nicht wert, sich darüber Gedanken zu machen.
Da fiel mein Blick auf die Briefmarke mit dem Schneemann. Sie war nicht abgestempelt. Also folgerte ich messerscharf, die Person musste die Karte eigenhändig in meinen Briefkasten geworfen haben. Dass sie trotzdem mit einer Marke versehen war, betrachtete ich als Versteckspiel des Täters oder der Täterin. Das sind die kleinen Fehler, mit denen sich Kriminelle oder auch simple Täter erwischt lassen.
Zur Samichlauszeit sind die Nächte lang. Es lag kein Schnee auf dem Vorplatz, der der Spurensicherung gedient hätte. Dennoch, es musste sich um ein Person aus dem Dorf handeln. Dies herauszufinden war sehr schwierig. Immerhin gibt es Leute im Dorf, die ich für eine solche Tat verdächtigen durfte, ohne ihnen weh zu tun. Sie konnten nur unter denen gesucht werden, die auch Leserbriefe schreiben oder geschriebenen einfach ihren Namen liehen. Bei solchen Voraussetzungen engte sich der Kreis der Tatverdächtigen ein. Es musste sich also um eine Person handeln, die die Nationalrätin verehrte, weil sie der gleichen Partei angehört. Meine Vermutung nährte sich mit Wissen. Aber Gewissheit hatte ich dennoch nicht. Ich weiss nur, dass die Post die Briefmarken abstempelt. Das war ein Indiz. Wie konnte ich also den Fall lösen? Das würde dauern und nur der Zufall könnte den Fall lösen.
Wie oft wurden Täter erst nach Jahren ertappt. So besann ich mich auf eine Strategie: Falls ich einer Person aus dem engen Kreis der möglichen Täter begegnen würde, würde ich äusserst höflich fragen, ob sie mir anonym eine Karte geschickt habe. Ich bin Psychologe und erst noch der Sohn eines Viehhändlers. Ihre Reaktion würde mir verraten, ob sie der Täter oder die Täterin sei oder zumindest die Hand im Spiel gehabt habe. Gesichter, die sich bei einer delikaten Frage verändern, lassen sich lesen und Ausreden kann jeder ehemalige Politiker analysieren.

Martullo Blocher will bei einem Notfall als Bundesrätin kandidieren (siehe NZZ)

Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher hat mit einem einzigen Wort meinen Kopf aufgewirbelt. Sie würde als Bundesrätin kandidieren, falls ein «Notfall» entsteht. Was kann ein solcher Notfall sein? Ich begann zu spekulieren. Handelt es sich um den «Notfall», dass ihre Partei oder andere keine schlagkräftige Kandidatin oder einen ihr nicht genehmen Kandidaten aufstellen würde? Könnte ein «Notfall» eintreten, dass sie die Schweiz retten müsste? Sieht sie Gefahr, dass der Bundesrat zu wenig rechts stehen würde, wie dies bis zum Rücktritt von Didier Burkhalter behauptet wurde? Entstände ein «Notfall», wenn der zukünftige Bundesrat keine Persönlichkeit aufweisen würde, die sagt, wo es durchgehen soll? In der digitalen Welt können «Notfälle» konstruiert werden. Wir müssen gefasst sein auf einen Notfall im Bundeshaus. Martullo ante portas!

Während des Schreibens dieses Textes dachte ich immer wieder, welch eine Arroganz. Dass sie bei einem Notfall kandidieren werde, kann sich nur eine mehrfache Milliardärin vorstellen.