Verdächtige Wortwahl

Leserbrief vom 31.01.2006 in der Neuen Luzerner Zeitung

Nein, hier soll nicht auch noch zur Büttenrede des Luzerner Regierungsrat, Daniel Bühlmann, Stellung genommen werden. Sie war nicht verdächtig, sondern klar, höchstens sind es die Ausreden. Mir kam bei der Lektüre des Berichts über den Männerabend wieder einmal das Wort in den Sinn: «Wie soll ich wissen, was ich denke, wenn ich nicht höre, was ich sage.» Mir geht es vielmehr um das Unwort des Jahres: «Entlassungsproduktivität». Das ist wirklich ein verdächtiges Wort, das Vielerlei verschleiert. Produktiv können die Entlassungen für die Shareholder sein. Die Aktien steigen. Es verschleiert aber, dass die Entlassungen volkwirtschaftlich schädliche Folgen für die Arbeitslosenkasse nach sich ziehen und damit den Staat belasten. Ebenfalls belastet es übermässig diejenigen, die den Arbeitsplatz behalten und zieht den frühzeitigen Abbau der Arbeitskapazität des Personals nach sich. Es schwächt auf die Dauer die Motivation und fördert die Ellbogengesellschaft am Arbeitsplatz. «Entlassungsproduktivität» ist ein Wort, das einen komplexen Vorgang verdunkelt und ihn nur aus einer Optik des Kapitals beleuchtet. Es wurde in Deutschland zurecht als Unwort des Jahres erkoren.