Ad: «Symptom einer dialogarmen Gesellschaft» von Samuel Behloul, am 6.September in der Zugerzeitung

(Zuger Zeitung vom 7. Oktober 2016)

Die Kolumne «Symptom einer dialogarmen Gesellschaft» bedarf einer Bestätigung. Samuel Behloul erläutert seine Beobachtungen am angestrebten Burkaverbot. Burka tragen sei im Grunde kein «tatsächlich existierendes gesamtgesellschaftliches Problem», weder aus Sicht der Sicherheit, noch wegen der wenigen verschleierten Frauen. Er meint, über ein Burkaverbot habe sich aus unterschiedlichen Gründen eine Art Diskursfeld verdichtet, das den Initianten Auftrieb geben könne und ihnen für eine Non-Problem eine Art allgemeine Berechtigung vermittle. Ohne Dialog wirkten die gegenteiligen Meinungen schon fast totalitär. Eine nüchterne Erörterung könne nicht aufkommen. Behloul vermisst zu komplexen Fragen einen echten Dialog.
Die Gesellschaft nimmt fast stillschweigend hin, dass Meinungen auf Meinungen stossen, ohne dass ein Meinender wirklich auf den anderen eingeht. Ich habe selber schon einige Male versucht, mit einem Leserbrief, früher mit einer Kolumne, eine Diskussion anzustossen. Niemand nahm den Faden auf. Ich erhielt höchstens eine «Ohrfeige» oder einen wütenden anonymen Brief.
Wir leben tatsächlich, was in einem direktdemokratischen Land überrascht, in einer dialogarmen Zeit. Samuel Behlouls Kolumne deckt dies überraschend klar am Beispiel des Burkaverbots auf. Wer sie liest, wird den Mechanismus erkennen, der hier wirkt und das Denken ausschaltet. Auch bei Titeln von Initiativen, die den wahren Inhalt des Vorstosses verschleiern, ist dies zu beobachten. Es gibt viele Gründe, die das Phänomen erklären. Nicht zuletzt zwingen die sogenannten sozialen Medien zu ganz kurzen Sätzen. Ein Satz mit nur einer Aussage löst eine Erwiderung mit einem Satz aus. Damit wird vereinfacht, was komplex ist. Der Dialog wird abgeklemmt. In der «Arena-Sendung» findet er meist auch nicht statt.