Eine Vorlage für ein Parteiprogramm

Leserbrief zum Interview von Klaus Wellershof (Zentralschweiz am Sonntag vom 4. Januar 2015)

Das informative und kenntnisreiche Interview von Daniel Zulauf mit dem langjährigen Chefökonom der UBS Klaus Wellershof könnte als Vorlage für einige Eckpunkte eines bürgerlichen Parteiprogramms dienen.

  • Wellershof bemängelt den Schuldenabbau und die Defizitwirtschaft einiger europäischer Länder. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass die Politik für ihr Land die Schuldenwirtschaft verhindern muss. Das Motto «wasch den Pelz, aber mach mich nicht nass» darf nicht zum Leitsatz werden.
  • Wellershof macht sich Sorgen um den hiesigen Werkplatz. Einer bürgerlichen Politik muss die Funktion des Werkplatzes mit gut ausgebildeten und genügenden Fachleuten zentral sein.
  • Die Schweiz habe eine verzerrte Wahrnehmung von Europa und von sich selbst. Daraus ergibt sich in der Konsequenz, dass die bürgerliche Politik alles daransetzen muss, dass Europa als Partner und nicht als Gegner wahrgenommen wird. Es ist wichtig, dass die Mitte Parteien eine eigene Strategie entwickeln, wie sich das Land in positivem Geist gegenüber Europa verhalten soll. Das gelingt nicht, wenn fortdauernd verketzert wird, was die EU betrifft.
  • Wörtlich sagt Wellerhof: «Ich stelle fest, dass die Wahrnehmung der Schweizerinnen und Schweizer von ihrem souveränen Land nicht mit der Realität übereinstimmt.» Daraus ergibt sich, dass im Jubeljahr 2015 zwar Fest und Feiern stattfinden sollen, aber nicht um den Preis der Mythologisierung, die in einer globalisierten Welt nichts bringt.
  • Wellershof behauptet, in seinem Bekanntenkreis töne es so, als bestünde der Bundesrat aus lauter unfähigen Politikern. Ironie dieser Abkanzlung: Der Bundesrat muss seine Kräfte aufbringen, um die Schäden, die Kritiker und Initianten selber verursacht haben, zu minimieren. Eine bürgerliche Politik stützt den Bundesrat und hilft ihm, die Probleme zu lösen. Er hat, wie Wellershof zurecht erwähnt, in der Krise «sehr besonnen gehandelt und dem Land damit das ganze Ungemach erspart». Eine bürgerliche Politik muss zusammen mit dem Bundesrat das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit in die Institutionen stärken und dagegen wirken, dass sich die Identitätskrise mit all ihren Auswüchsen weiter ausbreitet.
  • Die ganzen Europa-Entscheidungen seien immer in der Mitte getroffen worden, sagt Wellershof. Die bürgerliche Politik muss sich also klar von rechtsgerichteten konservativen und linken Extrempositionen abgrenzen.