Angriff auf die «Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft» (SGG)

Artikel: Rütli, Hausmänner und Ausländer (NLZ vom 28. Juli, 2016)

Als Knabe sang ich aus voller Kehle: «Rufst Du mein Vaterland …» In den siebziger Jahren schwelgte ich im Lied der neuen Landeshymne. Der Text gefiel mit sehr, denn er erzählte in seinen vier Strophen eine wunderbare Geschichte und meine romantisch fromme Seele ahnte Gott im hehren Vaterland. Die Jahre vergingen und ich begann phantasievoll Gott mit Göttern auszutauschen. Da war doch die UBS und die CS, das Bankgeheimnis und plötzlich waren auch Götter da, die mir erklärten, wie ich mein Vaterland zu sehen habe.
Darum verstand ich die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG), die sich fragte, ob im Zeitenwechsel nicht eine neue Hymne geschaffen werden sollte.
In einem demokratischen Land, das von unten nach oben denkt, sollte dies doch möglich sein. Sofort erhob sich Opposition. Kein neuer Text wollte gefallen. Wie auch! Der allerneuste, der mit den Worten anfängt: «Weisses Kreuz auf rotem Grund, unser Zeichen für den Bund …» der sich auf die Präambel der Bundesverfassung stützt, wirkt zugegeben etwas hölzern. Keine Geschichte mehr, wo sich in lichten Räumen froh und selig träumen lässt. Deshalb war auch dieser Text wieder Angriffen ausgesetzt. Nach dem Grundsatz: «Man schlägt den Sack und meint den Esel» geriet nun aber auch die SGG in harsche Kritik, und zwar durch SVP-Nationalrat Peter Keller. «Anstatt den Zusammenhalt der Schweiz zu stärken, sät die SGG Zwietracht», schreibt er. Sie habe den Kompass längst verloren, betreibe Demontage der Schweiz. Sie sei eine beliebige linksliberale NGO geworden. Dieser heftige Angriff hat nun eine neue Dimension erreicht. Abwerten, was nicht passt, ist die Strategie. Was erlaubt sich die SGG zu fragen, ob der Text des Schweizerpsalms noch zeitgemäss sei? Sie soll sich fragen, ob sie es noch ist. Das kommt mir wie ein Denkverbot vor. Das sollten wir uns nicht bieten lassen.