Barfuss

Gedichte
Zum Inhalt
Einhausung im Tal
Der Gesang der Amsel
Nicht ohne Trauer
Unter südlichen Sonnen
€ 16.50, CHF 19.80
Bucher Verlag, Hohenems
ISBN: 978-3-99018-574-2
Lesungen
Lesung vom 19. März 2021 in der Bibliothek Ägerital
Besprechungen
Luzerner Zeitung
Luzerner Zeitung vom 20.03.2021
Besprechung von Martin Städeli
Eine Klammerbemerkung
Autorinnen und Autoren wählen die Titel ihrer Bücher selten zufällig. Sicher nicht zufällig hat Andreas Iten den Titel für sein neustes Buch gewählt: «Barfuss». Mit dem Buch im schlichten Einband legt Andreas Iten eine Gedichtsammlung vor, gegliedert in vier Abschnitte. Natürlich lädt der Titel des Buches ein, die Gedichte als Erfahrungen eines Autors zu lesen, der fest auf der Erde steht und einen unmittelbaren Kontakt zu ihr hat. Während der Lektüre eröffnet sich dem Leser aber noch eine andere Sichtweise.
Der Gedichtband erscheint wie eine Klammerbemerkung: Die öffnende Klammer ist die Natur, die schliessende Klammer die Liebe und zwischen den beiden Klammern steht das Leben. Diese Klammerbemerkung erwähnt also nicht etwas Nebensächliches, sondern die Hauptsache. Dass die Hauptsache in Klammern steht, macht das Eigentümliche dieser Gedichtsammlung aus. Sie hinterlässt den Eindruck von Bescheidenheit oder vielleicht eher von Genügsamkeit. Der Autor sucht nicht nach dem Grossartigen, Aussergewöhnlichen. Diese Haltung zeigt sich zum Beispiel am Gedicht «Glücksfrosch». Dieser Text nimmt, gleich vielen anderen im Buch, Bilder aus der Natur auf. Das Gedicht handelt von Momenten des Glücks, die sich in stiller Zufriedenheit finden. Wie der Einband des Buches schlicht gehalten ist, so bleibt auch die Sprache schlicht. Fast scheint es, als richte sie sich ebenfalls an der Klammer «Natur» aus. Gelegentlich fühlt sich der Leser an den Ton von Angelus Silesius erinnert, so etwa im Gedicht «Auf der Welt».
Die zweite Klammer, die Liebe, erfährt der Leser gerade dann am eindrücklichsten, wenn sie nicht prominent auftritt. In der Erinnerung bleibt das Gedicht «Der Todesengel» haften. Liebe kommt darin nicht zur Sprache. Aber sie ist das Thema. Die Liebe ist dem Autor wichtig. Daran besteht kein Zweifel, wenn man den Gedichtband zur Hand nimmt. Aber nicht nur die Liebe zwischen den Menschen beschäftigt ihn, auch die Liebe zu den Dingen zählt dazu, zur Natur, zum Leben und nicht zuletzt zu sich selber, das Einiggehen mit sich selber. «Mein Hirsch» berichtet von diesem Einverständnis, wiederum nicht indem das Gedicht darüber spricht, sondern indem es mit Gewissheit davon ausgeht.
Die Beschreibung einer Gedichtsammlung muss immer Stückwerk bleiben. Der Bogen von «Barfuss» ist weit gespannt: vom Abschnitt «Einhausung im Tal», über «Der Gesang der Amsel» und «Nicht ohne Trauer» bis zum Abschnitt «Unter südlichen Sonnen». Wer bereits das eine oder andere Buch von Andreas Iten gelesen hat, wird wiederkehrende Motive in den Gedichten entdecken. Sie ermöglichen eine neue Sichtweise auf Erlebnisse, Erfahrungen, die den Autor geprägt haben. Der Bogen des Buches zeichnet ein ganzes Leben nach, er bildet eine Klammerbemerkung zu diesem Leben, die den Leser dieses Gedichtbands berührt. Denn die Gedichte der Sammlung sprechen von der Zufriedenheit und Zustimmung eines Menschen, der sich der Erde, dem Leben verbunden weiss.
01.03.2021